Cyberpolicen: Verwirrender Finanztest für Privatkunden

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Der Markt für Cyberversicherungen ist noch am Anfang, nimmt aber Fahrt auf. Nun hat die Stiftung Warentest Angebote für Privatkunden untersucht. Erstaunlich: Zumeist wird vom Schutz abgeraten. Zudem unterblieben Qualitätsurteile im Test.

Es gibt bei Cyberprodukten „bisher keinen einheitlichen Standard, die Angebote unterscheiden sich sehr“, schreibt die Stiftung Warentest (Gebäude im Bild). Finanztest blieb aber einen harten Preis-Leistungsvergleich schuldig.

Es gibt bei Cyberprodukten „bisher keinen einheitlichen Standard, die Angebote unterscheiden sich sehr“, schreibt die Stiftung Warentest (Gebäude im Bild). Finanztest blieb aber einen harten Preis-Leistungsvergleich schuldig. Bild: Stiftung Warentest

Die Zahl der Abschlüsse von Cyberversicherungen wächst analog zu den Schadenerfahrungen der Kunden kontinuierlich. „Die gewerblichen Kunden lernen durch Schmerzen“, berichtete vor geraumer Zeit Achim Fischer-Erdsiek, Geschäftsführer der NW Assekuranz Pro Risk. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) hätten inzwischen viele kleine Cyberschäden mit je 5.000 bis 15.000 Euro zu beklagen (procontra berichtete).

Nun hat die Stiftung Warentest das Angebot von 19 Cyberversicherungen für Privatkunden von 15 Anbietern unter die Lupe genommen und in der Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 06/2020) publiziert. Ergebnis: Es werden überhaupt keine Test-Urteile abgegeben. Das ist sehr schade, denn Finanztest schreibt selbst: „Es gibt bei den jungen Produkten bisher keinen einheitlichen Standard. Die Angebote unterscheiden sich sehr.“ Gerade deswegen wäre ein harter Preis-Leistungsvergleich angebracht. Den bleibt Finanztest schuldig.

Auflistung von Leistungen, aber kein Urteil

Stattdessen wird empirisch aufgelistet, was die Policen bei Cybermobbing leisten und welche Hilfe sie beim Aufspüren persönlicher und rufschädigender Daten im Internet inklusive Darknet („Webscreening“) sowie beim Löschen dieser Daten anbieten. Darüber hinaus wurden die Leistungsbereiche Rechtschutz, Datenrettung, Vermögensschäden beim Einkaufen und Verkaufen im Internet und Schädigung Dritter angeschaut.

Beispiel: Der Tarif „Cyberguard“ der Inter Versicherung liefert praktische Hilfe bei Ärger im Netz für alle, die keinen Rechtsschutz benötigen, weil sie bereits eine eigenständige Rechtsschutzversicherung besitzen. Für 60 Euro Jahresbeitrag bekommt man bei Cybermobbing psychologische und juristische Erstberatung sowie Löschservice, aber kein Webscreening. Versichert sind auch Datenrettung bis zu 2.000 Euro pro Fall, Vermögensschäden im Internethandel bis zu 15.000 Euro pro Ein- oder Verkauf sowie Schäden Dritter durch ungewollte Übertragung von Viren oder Schadprogrammen bis 2.500 Euro pro Fall.

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