Cyber-Versicherung: Das lange Warten auf den Kunden

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Der Cyber-Versicherung wurde gigantisches Potenzial bescheinigt, doch die Anzahl der bislang vermittelten Verträge wirkt ernüchternd. Dennoch sind spezialisierte Makler und Versicherer zufrieden. Welchen Anschub sie von der Corona-Krise erwarten.

Das Potenzial der Cyberversicherung wurde schon mit den Ausmaßen der Kfz-Versicherung verglichen. Tatsache ist aber, dass der große Kundenansturm (noch) auf sich warten lässt.

Das Potenzial der Cyberversicherung wurde schon mit den Ausmaßen der Kfz-Versicherung verglichen. Tatsache ist aber, dass der große Kundenansturm (noch) auf sich warten lässt. Bild: Pixabay

Ein Hacker stielt per Online-Zugriff wertvolle Daten eines Unternehmens oder zerstört diese. Die Wiederherstellung kann teuer werden, ebenso wie eventuelle Schadenersatzansprüche der betroffenen Geschäftspartner oder Privatpersonen. Letztere Gruppe kann auch direkt geschädigt werden, etwa durch einen hartnäckigen Trojaner auf dem Laptop oder Smartphone, betrügerische Online-Shops oder Cybermobbing. Die finanziellen Folgen solcher Schäden sowie Schadensbegrenzung und sogar Präventionshilfe kann eine Cyber-Versicherung leisten.

Was eigentlich nach einem tollen Konzept klingt, hat hierzulande noch nicht den erhofften Anklang gefunden. Zwar wurde der Cyber-Versicherung schon vor Jahren enormes Potenzial bescheinigt: Bis zum Jahr 2036 sei, Studien zufolge, allein in Deutschland ein Prämienvolumen zwischen 15 und 26 Milliarden Euro realistisch und es wurden sogar schon Vergleiche mit der Bedeutsamkeit der Kfz-Versicherung gezogen. Dahingegen wirkt der Bick auf aktuelle Zahlen eher ernüchternd.

Wie der GDV auf procontra-Nachfrage mitteilte, betrug im Jahr 2018 der Gesamtbestand an Cyber-Versicherungsverträgen rund 50.000. Gemäß den vorläufigen Zahlen ist der Bestand in 2019 auf 60.000 Verträge angewachsen. Das Prämienvolumen stieg in diesem Zeitraum von 50 auf etwa 85 Millionen Euro. Damit wären erst etwa 0,5 Prozent des Mindestpotenzials ausgeschöpft. Auch die stückzahlenmäßige Verbreitung der Cyber-Versicherung fällt angesichts von etwa 3,5 Millionen Betrieben und über 40 Millionen Privathaushalten in Deutschland eher gering aus.

Öffentlichkeitsschub durch Angriff auf Bundestag

Doch woran liegt das? Zwar ergeben Umfragen immer wieder die geringe Verbreitung von Cyber-Schutz, sie belegen aber zumeist auch das Verständnis für das Cyber-Risiko und die Bereitschaft, bald eine solche Police abzuschließen. Aus Sicht des Spezialversicherers Hiscox Deutschland hat hier schon eine deutliche Verbesserung stattgefunden. Seit dem Markteintritt 2011 habe man jahrelang Überzeugungsarbeit leisten müssen, erzählt Ole Sieverding, Underwriting Manager Cyber bei Hiscox. Der Versicherer hat nach eigenen Angaben über 15.000 Unternehmen als Cyber-Kunden im Bestand.

„Erst Fälle wie der Hacker-Angriff auf den Bundestag 2015 und auf das Krankenhaus Neuss 2016 verschafften dem Thema einen so starken Öffentlichkeitsschub, dass die Cyber-Gefahr von da an nicht mehr abstrakt, sondern sehr greifbar wurde – und das Wissen darüber, dass sie Unternehmen und Einrichtungen jeder Art und Größe betrifft, nicht nur die großen Konzerne“, erklärt Sieverding.

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