Crowdinvesting: Was bedeutet Corona für Risikoanlagen?

Anne Hünninghaus Corona Berater Investmentfonds Top News

Zuletzt boomte das Crowdinvesting im Immobiliensektor. Allerdings könnte die aktuelle Krise dem Wachstum des Hochrisikomarkts einen Dämpfer verpassen.

Findet Crowdinvesting auch in Krisenzeiten Zuspruch?

Findet Crowdinvesting auch in Krisenzeiten Zuspruch? Bild: Adobe Srock/BillionPhotos.com

Das Crowdinvesting bei Immobilien hat in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen. Das Prinzip: Ein Immobilienprojekt oder ein bestehendes Gebäude oder Grundstück werden dabei von einer Vielzahl privater oder institutioneller Anleger via Online-Plattform finanziert. Darauf spezialisierte Plattformen werben mit hohen Renditen bei vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz.

Und das scheint einzuschlagen, betrachtet man aktuell veröffentlichte Zahlen. Im Jahr 2018 konnten bundesweit mehr als 1,1 Milliarden Euro über Plattformen für alternative Finanzierungen, wie Crowdfunding, Crowdinvesting und Peer-to-Peer-Lending vermittelt werden, so eine aktuelle Umfrage der Universität Cambridge. Das Marktwachstum betrug im Vergleich zum Vorjahr stolze 89 Prozent.

Damit steht Deutschland auf Platz sechs der größten Märkte weltweit. Ein Fakt, der zu erstaunen vermag, da die Anleger hierzulande nicht unbedingt für Ihre Risikoaffinität bekannt sind – und Crowdinvesting eine ziemlich riskante Angelegenheit ist. Das galt schon vor der Corona-Krise, aber seitdem die Unsicherheit die Märkte erfasst hat, ist das Bedürfnis nach Stabilität bei Privatanlegern nur noch weiter gewachsen. Bedeutet das einen Einbruch des Crowdinvesting-Markts für 2020?

Karsten Wenzlaff, Geschäftsführer des Bundesverbands für Crowdfunding, rechnet nicht damit, dass die Nachfrage in diesem Jahr sinkt. Zwar seien die vermittelten Vermögensanlagen und Wertpapiere „der Regulatorik nach Risikoinvestments mit Totalverlustrisiko“ und würden auch als solche gekennzeichnet. In der Praxis seien er sie aber – je nach Objekt – auch für risikoaverse Investoren interessant.

Langfristige Anlage als Pluspunkt in Corona-Zeiten?

Gerade in Abgrenzung zu anderen Investments sieht Wenzlaff daher in Zeiten der Krise eine steigende Bedeutung: „Wir erleben eher eine höhere Nachfrage, da andere Asset-Klassen deutlich unattraktiver geworden sind.“ Die im Verband organisierten Plattformen teilten mit, dass die Bereitschaft zu Investitionen auch während der Corona-Pandemie vorhanden sei und kaum abflache. Der Grund dafür liege in der langfristigen Perspektive, die zum Beispiel die Verluste bei kurzfristig orientierten Aktienportfolios auffangen könnten.

Steffen Sebastian, Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg, hat eine andere Perspektive auf den Markt. „Die aktuelle Unsicherheit ist generell eine schlechte Zeit für finanzielle Entscheidungen.“ Die meisten Privatanleger würden ihr Kapital nun erst einmal zurückhalten. Und was passiert, wenn sie wieder einsteigen möchten? „Dann werden sie eher nach Sicherheit suchen, statt nach besonders renditeträchtigen Investments“, glaubt Sebastian. „Aufgrund der aktuellen Gemengelange schrecken die Menschen eher vor Risikoanlagen zurück.“ Daher rechne er damit, dass die Volumina im Crowdfunding in diesem Jahr Einbußen verzeichnen werden.

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