BU: Neue Fakten vom Markt und eine weitere Teilzeitklausel?

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Während einer Pandemie mit beruflichen Ausnahmesituationen rückt naturgemäß das Thema Berufsunfähigkeit in den Blickpunkt. Dabei könnten neue Fakten helfen. GDV, Infinma und LV 1871 liefern neue Daten. Und ein weiteres Teilzeitklausel-Angebot.

Bei einer Teilzeitklausel sollte die höchste fixierte nachweisbare Arbeitszeit nach Vertragsschluss auf die zum Zeitpunkt des BU-Eintritts ausgeübte Tätigkeit angerechnet werden, sagt BU-Sachverständiger Bert Heidekamp.

Bei einer Teilzeitklausel sollte die höchste fixierte nachweisbare Arbeitszeit nach Vertragsschluss auf die zum Zeitpunkt des BU-Eintritts ausgeübte Tätigkeit angerechnet werden, sagt BU-Sachverständiger Bert Heidekamp. Bild: Pohl

Anfang Februar veröffentlichte der Map-Report das erste „Stabilitätsrating der Berufsunfähigkeits-Versicherer“ und attestierte sieben Anbietern eine hervorragende Aufstellung: Swiss Life, Allianz, AachenMünchener, LV 1871, Ergo Vorsorge, Nürnberger und Stuttgarter (procontra berichtete). Dabei stützte man sich auf BU-Stabilitätsuntersuchungen des Analysehauses Franke und Bornberg (procontra berichtete) und auf das BU-Unternehmensrating (procontra berichtete).

Inzwischen liegt auch das BU-Rating des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M) vor. Ergebnis dort: Von insgesamt 525 getesteten Tarifen von 67 Anbietern wurden 360 Tarife mit der Bestnote bewertet – bei M&M drückt sich das mit 5 Sternen aus. Von den 67 Anbietern hatten 49 zumindest einen Tarif mit Bestbewertung im Produktportfolio (procontra berichtete).

Tritt der Leistungsfall ein, wird den Versicherten demnach durchschnittlich über sieben Jahre BU-Rente ausgezahlt. Nahezu jeder dritte BU-Fall geht laut M&M auf eine Nervenerkrankung zurück, gefolgt von Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates (19,7 Prozent). Dabei ist die Höhe der versicherten BU-Rente im letzten Jahr um 3,3 Prozent gestiegen und liegt nun bei immer noch niedrigen 950 Euro.

Versicherer mit mehr BU-Leistungsverpflichtungen

Die Statistik des Analysehauses wird durch aktuelle Zahlen der Branche erhärtet. Laut neuer Daten aus den Mitgliedsunternehmen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind im Jahr 2018 psychische Erkrankungen mit 29 Prozent aller Fälle häufigste BU-Ursache. Krankheiten des Nervensystems machen weitere 7 Prozent aus – siehe Grafik.


Leichte Unschärfen zwischen beiden Erhebungen erklären sich dadurch, dass in die GDV-Statistik auch versicherte Fälle von Erwerbsunfähigkeit, Grundfähigkeitseinbußen und schweren Krankheiten eingegangen sind und bei den Ursachen die Daten von 2018 zugrunde lagen.

2019 haben die deutschen Lebensversicherer 3,9 Milliarden Euro Invaliditätsleistungen an Versicherte ausgezahlt, 2,6 Prozent mehr als 2018. Insgesamt hatten die zugesagten Leistungen, die zumeist über mehrere Jahre fließen, einen Verpflichtungsumfang von 38,1 Milliarden Euro erreicht, 6,6 Prozent mehr als 2018.

Demnächst weitere Daten zur BU-Beitragsstabilität

Offenbar sind dabei die Beiträge zumindest 2019 weitgehend stabil geblieben. Wie aus einer Umfrage des Infinma Institut für Finanz-Markt-Analyse hervorging, zeigten 23 BU-Anbieter „maximale Beitragsstabilität“ und 13 Gesellschaften „langjährige Beitragsstabilität“. Die Auswertung 2020 läuft gerade an.

Infinma verfolgt dabei einen sehr einfachen Ansatz: Es wird lediglich danach gefragt, ob es für BU-Bestandsversicherungen in der dritten Schicht Anpassungen der Überschussbeteiligung gab, die zu einer Erhöhung der Zahlbeitrages für den Kunden geführt hat.

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