BU-Ärger führt zu Auffahrunfall

Anne Hünninghaus Recht & Haftung Berater

Der Kläger in einem ungewöhnlichen Verkehrsunfall hat eine offene Rechnung mit seinem ehemaligen Versicherungsvermittler - und verfolgt ihn in seinem Auto. Das Gericht entschied nun unter Einbeziehung der Vorgeschichte.

Das Langericht Potsdam hatte es mit einem eher ungewöhnlichen Auffahrunfall zu tun

Das Langericht Potsdam hatte es mit einem eher ungewöhnlichen Auffahrunfall zu tun. Bild: Adobe Stock/Unclesam

Über einen Auffahrunfall unter kuriosen Umständen hatte am 14. Mai das Potsdamer Landgericht (Az: 2 O 26/18) zu entscheiden. Protagonisten waren ein Fitnesstrainer, der seinen ehemaligen Versicherungsvermittler verfolgte und dann wiederum in einen Autounfall mit dem Chef des Vermittlers verwickelt war.

Was war geschehen?

Der Kläger verfolgte am Unfalltag in seinem Volvo über einen Zeitraum von 1 1/2 Stunden ein anderes Auto. Darin befand sich ein alter Bekannter - ein Versicherungsvermittler, mit dem sich der Kläger bereits zuvor - erfolglos - vor Gericht auseinandergesetzt hatte, da er sich von diesem zu einer Berufsunfähigkeitabsicherung falsch beraten gefühlt hatte. Das Landgericht Potsdam hatte die Klage damals abgewiesen, nachdem die Kammer beachtliche Zweifel daran hatte, dass der Kläger die Beratungssituation im Rahmen seiner Anhörung wahrheitsgemäß dargestellt habe.

Der Verfolgte informierte aus dem Auto heraus den Geschäftsführer seines Unternehmens über die Situation. Beide verabredeten sich zu einem Zusammentreffen in einer Potsdamer Straße. Dort angekommen, hielt der Verfolgte am rechten Fahrbahnrand und der Kläger wenige Meter hinter ihm. Von hinten näherte sich ein Renault, in dem sich der Geschäftsführer befand.

Da nun auch der verfolgte Vermittler rückwärts auf ihn zu fuhr, fürchtete der Kläger, von beiden Fahrzeugen in die Zange genommen zu werden und entschloss sich zur Flucht. Der Geschäftsführer folgte ihm  - kurze Zeit später kam es zum Unfall. Der Geschäftsführer fuhr mit einer Differenzgeschwindigkeit von etwa 20 Stundenkilometern auf das Fahrzeug des Klägers auf.

Dieser macht den zu geringen Sicherheitsabstand des aufgefahrenen Autos für den Unfall verantwortlich - ein starkes Abbremsen seinerseits, wie vom verfolgenden Geschäftsführer angegeben, verneinte er.  Wegen des unfallbedingten Schleudertraumas und eine Stauchung an der Hand machte er gegenüber dem Gericht einen Verdienstausfall geltend, da er seiner Tätigkeit als Fitnesstrainer nicht mehr nachgehen konnte. Daher stehe ihm Schmerzensgeld und eine Unfallkostenpauschale zu. 

So urteilte das Gericht

Das Gericht kam zu einem differenzierten Urteil. Zwar stehen dem Kläger der Wiederbeschaffungsaufwand seines Autos, die Kosten für das Sachverständigengutachten und den Rettungseinsatz zu, auch sei eine Unfallkostenpauschale in Höhe von 25 Euro angemessen. Nicht ersatzfähig sei hingegen der behauptete Verdienstausfall, für den der Kläger keinen Beweis angetreten habe.

Darüber hinaus besteht dem Grunde nach ein Schmerzensgeldanspruch in Höhe von 400 Euro. Das "Genugtuungsinteresse" wies das Gericht aber in Gänze zurück. Die Begründung: Der Kläger habe die Eskalation des Geschehens verursacht, indem er den als Zeugen aufgerufenen Berater über einen eineinhalbstündigen Zeitraum verfolgt habe, "allein um dem Zeugen auf die Nerven zu gehen". Das Gericht findet dafür deutliche Worte: "Die Tatsache, daß der Kläger durch diese Pervertierung des öffentlichen Straßenverkehrs für seine Machtspielchen die gesuchte Eskalation letztendlich in Form des Unfalls gefunden hat, schafft auf seiner Seite kein berücksichtigungsfähiges Genugtuungsbedürfnis, das ein höheres Schmerzensgeld zu rechtfertigen vermöchte."

Dem Kläger steht also nur ein Anspruch in Höhe der Hälfte des dem Grunde nach entstandenen Schadens und Schmerzensgeldes zu.

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