Berufsunfähigkeit: Wie solide kalkulieren die Versicherer?

Detlef Pohl Versicherungen Top News

Die Analyse der Leistungspraxis zeigt bei BU-Versicherern deutliche Unterschiede und Tendenzen zur Unterkalkulation. Die Anbieter weisen die Vorwürfe von sich und ordnen die Ergebnisse anders ein.

Wie seriös kalkulieren Versicherer? Diese Fragen ist für Makler nicht immer leicht zu beantworten.

Wie seriös kalkulieren Versicherer? Diese Frage ist für Makler nicht immer leicht zu beantworten. Bild: AdobeStock/ bilderstoeckchen

Die Leistungspraxis ist in der BU-Versicherung so intransparent wie kaum in einer anderen Sparte, sagt das Analysehaus Franke und Bornberg. Der Marktbeobachtungsdienst Map-Report, der seit 2019 zu Franke und Bornberg gehört, hat kürzlich das erste „Stabilitätsrating der Berufsunfähigkeits-Versicherer“ überhaupt vorgelegt. „Erste Wahl für Kunden müsste ein BU-Versicherer sein, der langfristig durch auskömmliche Kalkulation und eine starke Finanzausstattung sicherstellen kann, dass der Zahlbeitrag und damit die Überschusssituation konstant bleibt und trotzdem eine faire Leistungsprüfung garantiert ist“, erläutert Reinhard Klages vom Map-Report. In die Analyse gehen 21 Kriterien aus den Bereichen Beitrag, Stabilität und Finanzstärke ein.  

Insgesamt schafften nur sieben BU-Versicherer eine hervorragende Bewertung: Swiss Life, Allianz, AachenMünchener, LV 1871, Ergo Vorsorge, Nürnberger und Stuttgarter. Weitere 13 Gesellschaften erhielten die Ratingnote „sehr gut“ und nochmals 15 Gesellschaften die Note „gut“. Einmal wurde „befriedigend“ vergeben (Signal-Iduna). Wegen unvollständiger Datenlieferung blieben 26 BU-Versicherer ohne Rating, darunter Cosmos, Itzehoer, Bayern-Versicherung, LVM, Debeka und mehrere öffentliche Versicherer.  

Kalkulation bei vielen Anbietern unausgereift  

Die Beitragskalkulation der BU-Versicherer hat der Map-Report in drei verschiedenen Berufsgruppen untersucht – Bankkaufmann, Maschinenbauingenieur und Tischler. Als Benchmark dient das jeweilige Beitragsmittel aller verfügbaren BU-Prämien. Davon wichen die Beiträge in der Spitze um 50 Prozent (brutto) beziehungsweise 30 Prozent (netto) ab. Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg, sieht darin „deutliche Tendenzen zur Unterkalkulation“. Die Freude über einen günstigen Beitrag könne schnell in eine böse Überraschung umschlagen, wenn Versicherer ihren Zahlbeitrag erhöhen müssten oder sogar Druck auf deren Regulierungspraxis entsteht.  

Obwohl kaufmännische Angestellte zu den risikoarmen Berufen gerechnet werden, überraschen die Preisunterschiede beim Nettobeitrag, der im schlechtesten Fall bis auf den Bruttobeitrag angehoben werden kann. Im Schnitt bezahlt ein Bankkaufmann (30) für 1.500 Euro BU-Rente 113,71 Euro Brutto-Monatsbeitrag. Mindestens rund 30 Prozent weniger verlangen Dialog, Basler, Hannoversche und mit großem Abstand Canada Life (53,8 Prozent weniger). Sehr viel vorsichtiger kalkulieren VPV, LV 1871, HUK-Coburg und uniVersa, die mindestens 26 Prozent mehr als der Durchschnitt verlangen.  

Allerdings unterscheidet Canada Life nicht zwischen Brutto- und Nettobeitrag, sondern weist nur einen einzigen, voll garantierten Zahlbeitrag aus. „Das entspricht dem Standard für Risikoprodukte außerhalb Deutschlands“, meint Markus Drews im procontra. Für die Leistungen stehe Canada Life als „eine der finanzstärksten Versicherungsgruppen weltweit“ ein. „Das ist nach meinem Kenntnisstand eine gewagte These“, sagt Versicherungsmakler Gerd Kemnitz. Dass die kanadische Mutter für Leistungen der irischen Tochter einsteht, sei nicht sicher.  

Bei wem gibt es konkret Tendenzen zur Unterkalkulation? Namen wollte Christian Monke, fachlicher Leiter Analyse von Franke und Bornberg, nicht nennen. „Die kalkulierte Prämie im Vergleich zum Marktdurchschnitt ist einer von vielen Parametern, die Aufschluss geben über die langfristige Stabilität des BU-Geschäftes“, sagte er. Es gehe letztlich um die Summe der Schwachstellen. Insofern stehe das Risiko einer Beitragsanpassung im umgekehrten Verhältnis zu den Unternehmensbewertungen im Rating.  

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