BaFin: Aufsicht will bei Lebensversicherern genauer hinschauen

Detlef Pohl Versicherungen Top News

Der dauerhafte Niedrigzins setzt den Lebensversicherern weiter zu. Noch gibt es jedoch keine Unterdeckung. Was die Aufsichtsbehörde BaFin auf ihrer Jahrespressekonferenz in Sachen Aufsicht zu erzählen hatte.

In der dauerhaften Niedrigzinsphase werden die Solvenzquoten der Lebensversicherer wohl sinken. Die Aufsicht wird genauer hinsehen, sagt BaFin-Präsident Felix Hufeld.

In der dauerhaften Niedrigzinsphase werden die Solvenzquoten der Lebensversicherer wohl sinken. Die Aufsicht wird genauer hinsehen, sagt BaFin-Präsident Felix Hufeld. Bild: Bernd Roselieb / BaFin

Lange haben die Lebensversicherer zu jeder Zeit eine volle Beitragsgarantie geboten. Vergangene Woche haben die Aktuare Alarm geschlagen: Der Höchstrechnungszins muss für Lebensversicherer und Wettbewerbspensionskassen weiter sinken (procontra berichtete).

Das Problem Nr. 1 der Lebensversicherer ist nach wie vor das Dauerzinstief. „Die Krise setzt den Unternehmen in der Kapitalanlage zusätzlich zu“, sagte Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), heute anlässlich der BaFin-Jahrespressekonferenz 2020 in Frankfurt/Main. „Existenzbedrohend ist die Situation aber aus heutiger Sicht nicht“, urteilte Hufeld.

Zwar würden die Solvenzquoten wohl sinken, wie eine BaFin-Abfrage bei ausgewählten Lebensversicherern ergeben hat. „Aber bei keinem dieser Unternehmen kommt es zu einer Unterdeckung“, erklärte der Präsident. Dies liege auch an der Flexibilität des Regelwerks Solvency II, dessen Übergangsvorschriften der Behörde – und vor allem der Branche – gerade sehr helfen.

BaFin will bei Lebensversicherern genauer hinsehen

Auch bei der Liquidität könne sich die Krise auswirken: Wenn das Neugeschäft einbricht, Policen gekündigt oder Beiträge gestundet werden, könnten die gewohnten konstanten Zuflüsse gestört werden. „Noch sorgen wir uns nicht, aber wir sehen umso genauer hin“, betonte Hufeld. Laut Jahresbericht hat die Behörde 2019 Vor-Ort-Prüfungen bei 17 Lebensversicherern (2018: 9) und elf bei Pensionskassen und Pensionsfonds (2018: 29) vorgenommen. Deutlich mehr Prüfungen (33) gab es bei Schaden- und Unfallversicherern (2018: 31). Zu Ergebnissen sagte Hufeld nichts.

Die Kundenbeschwerden über Versicherer scheinen etwa auf dem Niveau der Vorjahre zu liegen. Im ersten Quartal registrierte die BaFin 2.136 Beschwerden. Im ganzen Jahr 2019 waren es 7.851 (2018: 8.097). Auch beim Versicherungsombudsmann waren die Eingaben 2019 zurückgegangen (procontra berichtete).

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