Ausbildung: Wie Versicherer das Corona-Chaos bändigen

Anne Hünninghaus Corona Versicherungen

Wird sich die Dauer der Ausbildung absehbar verlängern, damit verpasste Lerninhalte nachgeholt werden können?

BWV: Das kann man sicherlich erst später abschließend entscheiden, laut Rückmeldung unseres Expertenteams Bildungsmanagement Berufliche Erstausbildung und Fortbildung in der Versicherungswirtschaft - BIBER (BWV) gibt es derzeit keine Sorge darum.

Versicherer I: Insgesamt hoffen wir, dass unsere Azubis seither nur wenige Lerninhalte verpasst haben. In Abstimmung mit den Azubis sollen unklare bzw. fehlende Inhalte natürlich möglichst nachgearbeitet werden. Hier wird die weitere Entwicklung mitentscheidend sein (wann gibt es wieder Präsenzunterricht in der Schule, wann sind Kunden wieder bereit für das Thema Versicherungen, haben wir dauerhaft genug Geschäftsvorfälle im Innendienst?). Corona wird allerdings sehr wahrscheinlich dazu führen, dass sich diesen Sommer erheblich weniger Azubis dafür entscheiden werden, ihre Ausbildung zu verkürzen.

Versicherer II: Nein.

Lohnt es sich derzeit, sich für eine Lehrstelle mit Beginn 2021 zu bewerben bzw. Ausschau zu halten nach Ausbildungsbetrieben?

BVW: Laut Rückmeldung unseres Expertenteams Bildungsmanagement Berufliche Erstausbildung und Fortbildung in der Versicherungswirtschaft - BIBER lohnt es sich in jedem Fall, sich zu bewerben. Die Einstellung zum Herbst 2020/2021 ist im vollen Gange oder zum Teil schon abgeschlossen und es werden keine rückläufigen Zahlen bezüglich angebotener Ausbildungsplätze gemeldet. Dabei haben manche Unternehmen ganz auf digitale Einstellungsprozesse umgestellt, das heißt, Bewerbern wird nach einem Online-Einstellungstest und -gespräch bei entsprechender Eignung einen Ausbildungsvertrag angeboten. Andere Häuser ermöglichen unter Wahrung der Sicherheitsabstände und Hygienevorschriften auch persönliche Gespräche. Eine Beeinträchtigung im Auswahl- und Einstellungsprozess ist somit sehr gering. Für das Ausbildungsjahr 2021/2022 liegen noch keine Planzahlen vor. Laut Bundesagentur für Arbeit ist aufgrund der Corona-Pandemie der Ausbildungsmarkt derzeit verlangsamt.

Versicherer I: Seither gibt es bei uns keine Planungen die Zahl unserer Ausbildungsplätze in den nächsten Jahren zu verringern. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass wir zu rund 70 Prozent für den Außendienst ausbilden, der kein unerhebliches Demografie-Problem hat.

Versicherer II: Natürlich lohnt sich das! Erstens fehlt hier die Frage nach der Alternative und zweitens müssen die Unternehmen sicherstellen, dass sie ihre Auszubildenden adäquat beschäftigen können, denn es gibt auch eine Arbeitswelt nach Corona. Hier zeigt sich neben der rein wirtschaftlichen Betrachtung der Ausbildung auch die soziale Verantwortung der Unternehmen.

Nachwuchs-Kampagne soll neue Azubis anwerben

Um genügend Bewerber für die kommenden Jahre zu gewinnen, hat der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft kürzlich eine Kampagne ins Leben gerufen. So will man sicherstellen dass sich - trotz Corona - möglichst viele junge Menschen für den Beruf in der Branche entscheiden. Die Gothaer begrüßt die Offensive: Diese sei dringend notwendig, denn: "Der Beruf ist sehr herausfordernd und sollte in der Bevölkerung deutlich mehr wertgeschätzt werden. Neben dem vielfältigen Wissen über die verschiedensten Versicherungsarten bedarf es viel Feingespür für den Kunden und immer mehr auch digitaler Fertigkeiten." Und für Letzteres bietet die Corona-Zeit schließlich gerade das beste Training.

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