Ausbildung: Wie Versicherer das Corona-Chaos bändigen

Anne Hünninghaus Corona Versicherungen

Auch den Azubi-Alltag hat die derzeitige Situation durcheinandergewirbelt. Statt in der Berufsschule wird nun digital gelernt, die persönliche Anleitung wird durch Online-Konferenzen ersetzt. Wie gehen ausbildende Versicherer mit den neuen Hürden um?

Corona stellt Azubis und Betriebe vor große Herausforderungen.

Corona stellt Azubis und Betriebe vor große Herausforderungen. Bild: Adobe Stock/BillionPhotos.com

Stille im Büro, aber zu Hause herrscht eifrige Betriebsamkeit: Bei der Gothaer sind die Azubis gerade fast alle im Homeoffice. Wo möglich unterstützen sie in der Praxis, die restliche Zeit nutzen sie, um sich mit digitalen Lernmedien auseinanderzusetzen. "Die Ausbilder geben sich große Mühe und stehen regelmäßig über Skype oder Telefon mit den Azubis in Kontakt", heißt es vonseiten der Versicherung.

Die Ausbildung in Corona-Zeiten stellt für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung dar. Denn gerade die Anfangsphase im Betrieb erfordert jede Menge Abstimmung und Anleitung - beides wird durch das Arbeiten auf Distanz massiv beeinträchtigt. Trotz aller Hindernisse muss es aber weitergehen. So sucht beispielsweise die Gothaer für den Start des Ausbildungsjahres im August/September dieses Jahres wieder 35 Auszubildende für den Vertrieb.

Wie managt die Branche die Ausbildung während der Krise?

Wie die Branche die Hürden der Ausbildung gerade organisiert, hat das Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) für procontra beantwortet und dazu exemplarisch zwei anonymisierte Stimmen aus Unternehmen eingeholt.

Wie kann man sich den Alltag der Auszubildenden der Versicherungswirtschaft in Corona-Zeiten vorstellen?

BWV: Derzeit befinden sich sehr viele Auszubildende im Homeoffice. Die Versicherungsunternehmen haben sich alle gut auf die großen Herausforderungen dieses Ausbildungsalltages eingestellt. Die erforderliche technische Ausstattung ist bereitgestellt und regelmäßige Kommunikations- und Informationsabläufe sind eingesteuert.

Versicherer I: Nicht alle Ausbilder und Azubis befinden sich derzeit im Homeoffice. Wenn auch im geringen Umfang, werden einige Azubis - insbesondere in den Agenturen - auch weiterhin vor Ort ausgebildet. Hier ist zum Beispiel durch das Verbinden der Bildschirme möglich, dass unter Wahrung des Mindestabstandes ausgebildet werden kann. Manche Azubis treffen sich einmal wöchentlich mit ihrem Ausbilder persönlich im Büro.

Der Arbeitsplatz zu Hause ist mit Surface-Gerät, Monitor, Softphone und VPN ausgestattet. Die jeweilige räumliche Ausstattung wird sicherlich sehr individuell geregelt sein. Die Azubis erhalten in der Regel über ihre elektronischen Postkörbe Geschäftsvorfälle zum Abarbeiten und im Vertrieb auch Kundenlisten für die aktive Teilnahme an Kundenanrufaktionen. Einige Aufgaben werden auch über Lotus-Notes vergeben.

Der Morgen startet meist mit dem telefonischen Austausch mit dem Fachausbilder. Neue Inhalte werden über Skype for Business (Teilung des Desktops) erklärt, hierüber können auch unklare Vorgänge besprochen werden. Je nach Ausbildungsstand passen unsere Fachausbilder die Betreuungsintensität an. Zum Berufsschulunterricht Das dritte Ausbildungsjahr ist wieder im Präsenzunterricht, die anderen beiden Ausbildungsjahrgänge erhalten von der Schule Aufgaben und Lernaufträge zum Bearbeiten. Dafür sind sie zwei Tage in der Woche von der betrieblichen Ausbildung freigestellt. Interne Schulungen (z. B. zu Produkten einschließlich Verkaufsschulungen) werden aktuell über Selbstlernkurse abgebildet - mit festen Austauschterminen über Skype.

Versicherer II: Alle Azubis haben einen PC oder einen Laptop mit der entsprechenden Software und erhalten von den Ausbildungsplatzbeauftragten ihre Aufgaben, als ob man „Tür an Tür“ sitzen würde. Zusätzlich erhalten die Auszubildenden von der Ausbildungsabteilung Fach- und Projektaufgaben.

Wie stellen die Unternehmen sicher, dass eine angemessene Betreuung möglich ist? Schließlich macht es einen Unterschied, ob einem ein Ausbilder über die Schulter schauen kann, oder fernab im Homeoffice sitzt.

BWV: Die Ausbildungsabteilungen legen großen Wert auf einen engen virtuellen Austausch. Hier gibt es viele Ideen im Kontakt zu bleiben, z.B. virtuelle Jour-Fixe oder Mittagessen mit allen Auszubildenden und Ausbildern. Auch mit dem dualen Partner Berufsschule gibt es eine gute Abstimmung. Zur Vermittlung des Schulstoffes werden Arbeitszeiten eingeräumt. Digitale Schulungsangebote werden vermehrt eingesetzt, insbesondere auch zur Vorbereitung der Abschlussprüfungen.

Versicherer I: Sicherlich macht es einen Unterschied und viele Azubis wie Ausbilder vermissen den persönlichen Kontakt. Grundsätzlich ist die Betreuung aber über Telefon und Skype möglich. Daneben werden jetzt ab Mitte Mai die Azubis auch wieder in Kleingruppen zu Präsenzveranstaltungen zusammenkommen.

Versicherer II: Das geht derzeit nur über Telefon, E-Mail und beispielsweise Microsoft Teams. Bei der Ausbildung am Arbeitsplatz ist ohnehin die Genehmigung des Ausbildungsplatzbeauftragten notwendig, das klappt auch über die Distanz.

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