Alterseinkommen: Wie Deutschland international dasteht

Detlef Pohl Berater Versicherungen von Detlef Pohl

Vorschläge der Rentenkommission für einen nachhaltigen Generationenvertrag liegen auf dem Tisch. Ob damit die Alterssicherung demografiefest und nachhaltig wird, bleibt abzuwarten. Es gibt viel zu tun, zeigt ein internationaler Vergleich der Allianz.

Wird die Demografie ignoriert, droht früher oder später eine elementare Rentenkrise, bestätigt der Global Pension Report der Allianz.

Wird die Demografie ignoriert, droht früher oder später eine elementare Rentenkrise, bestätigt der Global Pension Report der Allianz. Bild: Wilfried Pohnke/Pixabay

Die gesetzliche Rentenversicherung in ihrer derzeitigen Ausgestaltung ist nicht in der Lage, allein eine flächendeckend ausreichende Alterssicherung sicherzustellen. Es braucht mutige Lösungen für die Zukunft, doch die Vorschläge der Rentenkommission gehen nicht weit genug (procontra berichtete).

Auf einem Online-Symposium der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung wurde für ein mischfinanziertes Modell aus Umlage- und Kapitaldeckung geworben. Mit Verweis auf Schweden sieht Wirtschaftsformer Bert Rürup die beste Möglichkeit in einem System, das neben der Riester-Rente auf Vorsorgekonten basiert. „Wir müssen den Mut zu einer obligatorischen Lösung aufbringen – ohne dass sich dabei die Vorsorgesysteme kannibalisieren“, so Rürup (procontra berichtete).

„Rentenreformen sind zuletzt etwas in den Hintergrund gedrängt worden, erst von der Klimafrage, nun durch die Corona-Pandemie“, sagt Ludovic Subran. „Wird aber die Demographie ignoriert, droht eine Rentenkrise“, erklärte der Chefvolkswirt der Allianz angesichts der Vorstellung des überhaupt ersten „Global Pension Report“ der Allianz-Gruppe.

Versuch, Rentensysteme international zu vergleichen

Mit Hilfe des eigenen „Allianz Pension Index“ wurden dazu 70 Rentensysteme rund um den Globus analysiert. Der Index folgt einer einfachen Logik: Er beginnt mit der Analyse der demografischen und fiskalischen Grundvoraussetzungen und fährt dann fort, die beiden Hauptdimensionen eines jeden Rentensystems zu untersuchen: Nachhaltigkeit und Angemessenheit. Der Index ruht daher auf drei Sub-Indizes und berücksichtigt insgesamt 30 Parameter – siehe Grafik.


Ergebnis: Nur wenige Länder haben ihre Rentensysteme bereits demografiefest aufgestellt – allen voran Schweden, Belgien und Dänemark. Viele andere Rentensysteme werden jedoch weiter in Schräglage geraten, belastet durch hohe Defizite und einem Ungleichgewicht zwischen Nachhaltigkeit und Angemessenheit. Das deutsche Rentensystem rangiert im Mittelfeld (Platz 26), mit leicht überdurchschnittlichen Werten für Angemessenheit und Nachhaltigkeit – hat aber das Ausscheiden der Babyboomer aus dem künftigen Arbeitsmarkt noch nicht eingepreist.

Drei Teil-Indizes fließen ein

Bei den Ausgangsbedingungen wird der finanzielle Spielraum und demografische Wandel gemessen. Hier schneiden viele Entwicklungsländer in Afrika und Asien relativ gut ab, da dort die Bevölkerung noch jung und öffentliche Defizite und Schulden eher niedrig sind. Auf der anderen Seite erzielen europäische Länder wie Portugal oder Italien die schlechtesten Werte: Eine alte Bevölkerung trifft auf hohe Schulden.

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