Wie sich die Baufinanzierung durch Corona verändert

Martin Thaler Sachwerte

Die Corona-Krise wirkt sich auf das gesamte Leben der Deutschen aus, auch die Immobilienfinanzierung ist betroffen. Werden die Banken restriktiver sein? Können Häuslebauer auch in Zukunft ihre Raten bezahlen? Und welche Auswirkungen hat das Virus auf die Immobilienpreise? Hierüber sprach procontra mit Michael Neumann, Vorstandschef des Kreditvermittlers Dr. Klein.

Dr.-Klein-Vorstandschef Michael Neumann glaubt nicht an einen Preisrutsch bei Wohnimmobilien.

Dr.-Klein-Vorstandschef Michael Neumann glaubt nicht an einen Preisrutsch bei Wohnimmobilien. Bild: Dr. Klein

procontra: Sachwerte bzw. Immobilien erfreuen sich gerade in Krisenzeiten einer steigenden Beliebtheit. Wie hat sich die Kundennachfrage bei Ihnen in den vergangenen Wochen entwickelt?

Michael Neumann: Die Nachfrage nach Baufinanzierungen ist bei Dr. Klein nicht spürbar zurückgegangen, das Gesamtniveau ist stabil. Die Kunden kommen über unterschiedliche Wege zu uns, und in den letzten Wochen sehen wir eine deutliche Verschiebung zugunsten der Online-Kanäle.  

procontra: Experten rechnen mit einem länger niedrig bleibenden Zinsniveau bei den Bauzinsen. Werden Forward-Darlehen durch die Corona-Krise überflüssig?

Neumann: Im Gegenteil. In diesen von Unsicherheiten geprägten Zeit sehen wir sicherheitsorientierte Entscheidungen in Bezug auf Baufinanzierungen. Die Daten für den März zeigen eine steigende Anfangstilgung und Zinsbindung. Auch Forward-Darlehen gewinnen in diesem Zusammenhang wieder an Attraktivität: Selbst wenn keine sprunghaften Zinsanstiege erwartet werden, ist diese Variante für viele Darlehensnehmer eine gute Möglichkeit, ihre Anschlussfinanzierung sicher und kalkulierbar unter Dach und Fach zu bringen. Im März haben Forward-Darlehen einen Anteil von knapp acht Prozent ausgemacht – im Februar waren es noch 6,5 Prozent, im Januar 5,2 Prozent. 

procontra: Inwiefern werden sich die Bedingungen für den Erhalt eines Baudarlehens verändern? Werden die Banken aufgrund der wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit ihre Bedingungen verschärfen?

Neumann: Die derzeitige Situation stellt auch Banken vor neue Herausforderungen und viele können ihre Leistungen nicht mehr in gewohntem Umfang anbieten. Zum einen müssen sie ihre Prozesse auf dezentrales Arbeiten anpassen, zum anderen besteht auch für sie eine Unsicherheit. Einige regionale Banken haben sich aus dem Markt zurückgezogen, andere passen zum Beispiel ihre Risiko-Marge an. Wir sehen auch, dass einige Institute vorübergehend ihre Kriterien zur Kreditvergabe ändern. Einzelne gehen etwas konservativer vor und deckeln beispielsweise den maximalen Beleihungsauslauf oder verlangen einen größeren Puffer in der Haushaltsrechnung. Für Dr. Klein als Vermittler von Finanzierungen ist es etwas herausfordernder geworden, die Finanzierungen zu platzieren, aber gerade jetzt zeigt sich der Vorteil des Geschäftsmodells – wir können aus unserem Netzwerk aus über 400 Kreditinstituten nach wie vor passende Partner für das Vorhaben unserer Kunden identifizieren und wissen, wer auch in der aktuellen Situation zuverlässig Finanzierungen begleitet. 

procontra: Inwieweit ist denn mit verstärkten Zahlungsausfällen aufgrund Kurzarbeit oder Arbeitsplatzverlusten der Menschen zu rechnen?

Neumann: Die Bundesregierung unterstützt die Wirtschaft und Einzelpersonen mit einem umfangreichen Hilfspaket. So können Darlehensnehmer ihre Monatsraten bis zunächst Ende Juni stunden. Ich rechne mit einer Verlängerung dieser Regelung, sollte die Bundesregierung dies für nötig erachten. Darüber hinaus ermöglicht das Kurzarbeitergeld Arbeitgebern, Arbeitsplätze während und nach überstandener Krise zu sichern und ihre Angestellten weiter zu beschäftigen. Insofern erwarte ich kurz- und mittelfristig keine Zahlungsausfälle auf breiter Front, wenngleich steigende Zahlen nicht ausbleiben werden.  

procontra: Welche Auswirkungen wird die Krise auf die Immobilienpreise haben?

Neumann: Der Wohnimmobilienmarkt wird voraussichtlich weniger stark von den Auswirkungen der derzeitigen Situation betroffen sein als einige Gewerbeimmobiliensegmente, wie z.B. Hotels. Ich gehe davon aus, dass der Preisanstieg gedämpft wird oder die Preise vorübergehend stagnieren – an einen nennenswerten Preisrutsch glaube ich nicht. Denn auf der einen Seite wird die Nachfrage zurückgehen, weil weniger Menschen berufsbedingt umziehen werden und einige die wirtschaftliche Entwicklung abwarten, bevor sie eine so große Investition tätigen. Zeitgleich geht aber auch das Angebot zurück: Viele, die nicht darauf angewiesen sind, aktuell jemanden für ihre Immobilie zu finden, halten sich zurück – schon allein, um persönliche Besichtigungstermine zu vermeiden. So wird auch weiterhin die Nachfrage höher bleiben als das Angebot, auch wenn der Markt temporär weniger Transaktionen aufweist.

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