Welche Rolle Prävention in der BU-Versicherung spielen kann

Martin Thaler Berater Top News

Procontra: Die Gothaer Versicherung hat nun ein BU-Prävention-Pilotprojekt gestartet, bei dem Kunden mittels Sensoren-Armband dabei unterstützt werden sollen, stressige und belastende Alltagssituationen frühzeitig zu erkennen und mittels Tipps und Übungen zu meistern. Was halten Sie von diesem Ansatz?  

Lehberg: Interessant wird es, wenn die Gothaer konsequent einen Schritt in Richtung Prävention geht. Kunden müssen die Möglichkeit bekommen, frühzeitig zu erkennen, wenn sich psychische Probleme einschleichen. Anzeichen könnten beispielsweise unruhiger Schlaf oder eine erhöhte Herzfrequenz sein. Wenn der Kunde dann auch konkrete Hilfsangebote, beispielsweise in Form einer Gesprächstherapie erhält, erachte ich das für sehr sinnvoll. Entscheidend wird hier auf jeden Fall die Qualität der Hilfestellungen sein: Ein Tipp im Sinne von „Gehen Sie früher ins Bett, wenn Sie sich müde fühlen“ hilft keinem Kunden weiter. Jede psychische Erkrankung hat individuelle Gründe, da helfen keine Tipps von der Stange.  

Procontra: Was würden Sie sich wünschen?  

Lehberg: Der Kunde muss einen echten Gesprächspartner für den Notfall bekommen. Denkbar wäre ja beispielsweise, dass neben der Aufzeichnung der Vitalwerte auch ein App-Tagebuch geführt wird. Wenn festgestellt wird, dass der Kunde seit einigen Tagen schlechte Stimmung hat und zusätzlich die Vitalwerte schlecht sind, könnte ein Psychologe ihn per Video-Chat kontaktieren und konkrete Hilfe anbieten bzw. Vertrauen aufbauen. Viele Kunden weigern sich ja, selbst wenn sie psychisch schon komplett fertig sind, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hier muss also frühzeitig ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden und kompetent Hilfe angeboten werden – dann stellt dieser Service auch einen Mehrwert dar.    

Procontra: Lässt sich allgemein feststellen, dass der Präventionsgedanke in der BU-Versicherung an Gewicht gewinnt?  

Lehberg: Ja, Diskussionen zu dem Thema gibt es bei mehreren Versicherern – auch abseits des Schwerpunkts psychische Probleme. So gibt es auch Überlegungen, ob man Kunden mit Rückenschmerzen oder Verspannungen nicht die Massage bezahlt, bevor die Rückenschmerzen zu einer Berufsunfähigkeit führen und der Versicherer eine BU-Rente zahlen muss. Das Thema Prävention gewinnt auf jeden Fall an Gewicht.  

Procontra: Welche Rolle kann denn der Präventionsgedanke in der Beratung spielen?  

Lehberg: Wenn die Versicherer einen Präventionsbaustein in Produkte für bestimmte Zielgruppen einbauen, zu denen dieser Gedanke auch passt, dann kann es sehr interessant für die Zielgruppenberatung werden. Nehmen wir ein Beispiel: Für die Zielgruppe der Surfer, die sich wahrscheinlich eher frei und unbeschwert fühlt, macht ein solcher Baustein weit weniger Sinn als bei Ärzten, die ganz anders sensibilisiert sind für solche Erkrankungen. Wenn dann das gesamte Leistungspaket stimmt, kann der Präventionsbaustein einen echten Mehrwert darstellen, auch im Beratungsprozess.

Info: Guido Lehberg ist Versicherungsmakler aus Gütersloh und berät seine Kunden schwerpunktmäßig zu Themen der Arbeitskraftabsicherung. Über Themen rund um die Berufsunfähigkeitsversicherung bloggt Lehberg auf seiner Seite www.der-buprofi.de

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