Welche Rolle Prävention in der BU-Versicherung spielen kann

Martin Thaler Berater Top News

Welche Rolle spielt die derzeitige Corona-Krise auf die Beratung und die BU-Versicherung? Und welche Möglichkeiten bieten Präventionsangebote, wie sie von der Gothaer ausprobiert werden? Über diese Themen sprach procontra mit Versicherungsmakler Guido Lehberg.

Hat klare Vorstellungen im Bezug auf Präventionsmaßnahmen im Rahmen der BU-Versicherungen: Makler Guido Lehberg.

Hat klare Vorstellungen im Bezug auf Präventionsmaßnahmen im Rahmen der BU-Versicherungen: Makler Guido Lehberg. Bild: Sebastian Berger

Procontra: Wie sieht in Corona-Zeiten der Kundenkontakt bei Ihnen aus? Setzen Sie verstärkt auf Online-Beratung?  

Guido Lehberg: Ich habe vor ungefähr sechs Jahren bereits angefangen, online zu beraten. Ganz einfach aus dem Grund, da ich Kunden hatte, die weiter weg wohnen. Da ich nicht rausfahre und diese Kunden auch nicht ins Büro holen konnte, haben wir angefangen online zu kommunizieren. Die ersten Schritte waren noch recht provisorisch: Ich habe dem Kunden die wichtigsten Unterlagen per Mail geschickt. Die habe ich dann zeitgleich auf meinem PC geöffnet und wir haben darüber geredet – ich hatte dafür noch mein Handy genutzt. Das war natürlich nicht sonderlich praktikabel, kam aber beim Kunden gut an. Mit der Zeit habe ich dann auch in die entsprechende Technik investiert und habe jetzt den Vorteil, auch bei geschlossenem Büro weiter für meine Kunden da sein zu können. Ich verstehe auch die Makler nicht, die behaupten, dass man eine Haftpflichtversicherung online beraten könne, nicht aber eine BU-Versicherung. Da beweise ich das Gegenteil.

Procontra: Wie schwierig ist es, die Kunden von diesem neuen Beratungsweg zu überzeugen?  

Lehberg: Für viele Kunden zählt zunächst einmal die Bequemlichkeit: Wenn der Vermittler zu ihnen nach Hause kommt, müssen sie sich nicht wegbewegen, haben also weder Kosten noch zeitlichen Aufwand. Viele Makler, ich ja auch, haben dann drauf bestanden, dass der Kunde zu ihnen kommt, was sie dann ja auch gemacht haben.   Die Online-Beratung gibt den Kunden die ersehnte Bequemlichkeit zurück – der Makler kommt zu ihnen nach Hause und das, ohne ihren Kaffee zu trinken und ihre Kekse zu essen. Ich glaube, dass das Thema Online-Beratung für den Kunden letztlich – wenn man es richtig anfasst – sehr viele Vorteile bringt.  

Procontra: Was bedeutet denn richtig?  

Lehberg: Ich hatte wie gesagt zu Beginn keine Technik – was mir jedoch geholfen hat, war meine Struktur. Wenn man über eine gute Struktur verfügt, ist es letztlich egal, wo man den Kunden berät – ob beim ihm zuhause,  im Büro oder online. Makler, die allerdings eher über die emotionale Schiene kommen, haben es ungleich schwerer. Die Online-Beratung eignet sich meiner Meinung nach in erster Linie für fachliche Informationen, nicht unbedingt für große Emotionen.  

Procontra: Wird sich die Online-Beratung denn auch nach der Krise weiter durchsetzen?  

Lehberg: Aus eben genannten Gründen glaube ich, dass sie sich beim Kunden auf jeden Fall weiter durchsetzen wird, unter manchen Maklern jedoch nicht. Da wird es dann zu einem Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage kommen, was wiederum dazu führen kann, dass der eine oder andere Makler letztlich weniger Kunden als zuvor hat.  

Procontra: Die Corona-Krise hat nicht nur Auswirkungen auf die Arbeitsweise der Makler, sondern auch auf die Psyche vieler Menschen. Glauben Sie, dass es aufgrund des derzeitigen Lockdowns und der sozialen Distanz zu mehr BU-Fällen kommen wird?  

Lehberg: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich sehr schwierig zu sagen. Ich denke, wenn die Lockdown-Maßnahmen über einen größeren Zeitraum verlängert bzw. wieder verschärft werden und es im Anschluss zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit kommen sollte, ist eine Zunahme psychischer Probleme und letztlich von BU-Fällen durchaus denkbar.  

Es ist natürlich auch immer die Frage, ob durch die bestehende Krise psychische Probleme neu ausgelöst oder bereits bestehende Probleme nur verschärft werden – das ist aber zum jetzigen Zeitpunkt alles noch nicht absehbar.  

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