Warenkredite: Versicherer und Regierung schließen Deal

Martin Thaler Versicherungen

Die Warenkreditversicherer werden ihre Kreditlimite weiter aufrechterhalten, dafür gewährt die Bundesregierung eine Garantie in Höhe von 30 Milliarden Euro. Im Gegenzug erhält die Bundesregierung einen Großteil der Prämieneinnahmen.

Bundeswirtschaftminister Peter Altmaier begrüßte das Abkommen zwischen Versicherern und Politik.

Bundeswirtschaftminister Peter Altmaier begrüßte das Abkommen zwischen Versicherern und Politik. Bild: BPA/Steffen Kugler

Die Bundesregierung greift den deutschen Kreditversicherern und damit deren Kunden unter die Arme. Mit den deutschen Kreditversicherern hat die Bundesregierung nun eine Vereinbarung getroffen, mit der die Geschäftsbeziehungen der deutschen Wirtschaft innerhalb der Corona-Krise abgesichert werden sollen.  

Die Vereinbarung sieht eine Garantie des Bundes für Entschädigungszahlungen der Kreditversicherer von März bis Ende 2020 in Höhe von 30 Milliarden Euro vor. Als Gegenleistung verpflichten sich die Kreditversicherer, die bestehenden Kreditlimite von derzeit rund 400 Milliarden Euro weitestgehend aufrecht zu erhalten. Weiterhin sieht die Vereinbarung vor, dass Verluste in Höhe von 500 Millionen Euro von den Kreditversicherern selbst getragen werden. Diese übernehmen auch Ausfallrisiken, die über die Garantie des Bundes hinausgehen und führen 65 Prozent ihrer Prämieneinnahmen für das Jahr 2020 an den Bund ab. Im vergangenen Jahr betrugen die Prämieneinnahmen insgesamt 817 Millionen Euro.  

Zur Umsetzung müssen die Kreditversicherer noch bilaterale Verträge mit der Bundesregierung schließen.   Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lobte die erzielte Vereinbarung: „Für viele Unternehmen ist diese Krise bedrohlich, weil sie keine Aufträge mehr erhalten. Und wenn noch Aufträge da sind, ist ungewiss, ob der Kunde am Ende zahlen kann. Deshalb sorgen wir mit einem Schutzschirm in Höhe von 30 Milliarden Euro dafür, dass Kreditversicherer weiter für etwaige Zahlungsausfälle einstehen und tragen dazu bei, die Lieferketten in Deutschland und weltweit aufrechtzuerhalten.“  

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sekundierte: "Kreditversicherer können mit Hilfe des Schutzschirms bestehende Deckungszusagen weiter aufrechterhalten und auch neue übernehmen - trotz erheblich gestiegener Ausfallrisiken. Wir handeln hier vorausschauend, denn im Moment können viele Kunden die Schwierigkeiten sehr oft noch ohne unsere Hilfe lösen.“  

Interessant auch für KMU

Zuletzt waren die Klagen aus der Industrie jedoch lauter geworden. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier geklagt, dass sich immer mehr Kreditversicherer angesichts der Corona-Krise aus der Deckung des internationalen Warenverkehrs zurückziehen würden, wodurch Lieferketten immer stärker in Gefahr geraten würden.  

Die Entscheidung der Bundesregierung dürfte insbesondere für Gewerbe-Makler von Interesse sein. Längst konzentriert sich die Kreditversicherungsbranche nicht mehr ausschließlich auf die großen Unternehmen, sondern versichert auch kleine und mittelständige Unternehmen (KMU) für den Fall, dass deren Kunden die gelieferten Produkte bzw. Dienstleistungen nicht bezahlen können bzw. wollen. Kommt es zu Forderungsausfällen oder längerfristigen Zahlungsverzögerungen, wird die Rechnung vom Kreditversicherer beglichen. Der Versicherungsverband GDV schätzt, dass die Limite der Kreditversicherer insgesamt 15 Prozent aller deutschen Exporte decken.

Unter den KMUs sind Kreditversicherungen dennoch bislang wenig verbreitet. Einer Umfrage des Vereins KuBI e.V. sowie der Fachholschule Dortmund zufolge, verfügt nicht einmal jedes zehnte kleine oder mittelständige Unternehmen (9,4 Prozent) über eine Kreditversicherung.

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