Unternehmen schätzen Risiken falsch ein

Martin Thaler Berater

Bei der Wahrnehmung von Risiken agieren viele kleine und mittelständische Unternehmen sehr fahrlässig, wie nun eine neue Studie zeigt. Makler könnten hiervon profitieren, wenn sie sich stärker als Risikoberater positionieren können.

Matthias Beenken (links, hier mit BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli) stellte eine neue Studie zum Risikoverhalten kleiner und mittelständischer Unternehmen vor.

Matthias Beenken (links, hier mit BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli) stellte eine neue Studie zum Risikoverhalten kleiner und mittelständischer Unternehmen vor. Bild: procontra

Um eine Alternative zum volatilen Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen zu haben, wenden sich viele Makler dem Gewerbegeschäft zu. Umfragen zufolge gesteht über die Hälfte der Makler dem Gewerbegeschäft eine hohe bzw. gar sehr hohe Bedeutung zu – wesentlich mehr, als noch vor 5 Jahren.   Dass der Gewerbemarkt für Makler attraktiv ist, verdeutlicht auch Thinksurance-Chef Christoph Leifeld: So sei der Markt für Gewerbeversicherungen noch nicht völlig gesättigt, erklärte Leifeld gegenüber procontra. „Deutsche Unternehmen sind grundsätzlich eher unterversichert.“  

Diese Aussage wird nun von einer weiteren Studie unterstrichen, die der Verein KuBI e.V. (Konzeptentwicklungs- und Beratungs-/Innovationswerkstatt der Assekuranz und Finanzdienstleister) sowie die Fachhochschule Dortmund unter Professor Dr. Matthias Beenken nun vorgelegt haben. Diese – durchgeführt vor der aktuellen Corona-Pandemie – verdeutlicht, dass viele kleine und mittelständische Unternehmen (weniger als 500 Mitarbeiter, maximal 50 Millionen Euro Jahresumsatz) in puncto Risikobewusstsein heftigen Fehleinschätzungen unterliegt.  

„Wir waren sehr erstaunt, dass nur 45 Prozent der Befragten angeben, eine Betriebs- oder Berufshaftpflichtversicherung zu besitzen. Das kann man nur als grob fahrlässig bezeichnen“, kommentierte Beenken das Studienergebnis. Nur 28 Prozent der befragten 521 Unternehmen schätzte allgemeine Haftungsrisiken als grundsätzlich existenzvernichtend ein, obwohl diese Risiken nicht beschränkbar sind.

 

VersicherungAnteil der Unternehmen, die diese abgeschlossen haben
Kfz-Versicherung55,3 %
Betriebs-/ Berufshaftpflichtversicherung45,3 %
Rechtsschutzversicherung42,2 %
Gebäudeversicherung33,6 %
Vermögensschadenhaftpflichtversicherung31,5 %
Inventarversicherung26,3 %
Betriebliche Altersvorsorge18,8 %
Elektronikversicherung17,1 %
Betriebsunterbrechungsversicherung13,6 %

Da gerade einmal ein Viertel der befragten Unternehmen über ein eigenes Risikomanagement verfügt, sind sie bei der Beratung potenzieller Risiken vor allem auf Makler angewiesen. Nur 50 Prozent der befragten Unternehmen ziehen diese allerdings zurate – der Rest kauft seine Versicherungen direkt beim Versicherer bzw. verzichtet komplett auf den entsprechenden Versicherungsschutz.  

Doch selbst wenn Versicherungsvermittler hinzugezogen werden, dann meist nur selten als Berater, sondern eher als Beschaffer der notwendigen Policen. „Aus unserer Sicht zeigt sich, dass Versicherungsvermittler dringend gebraucht werden, um das Risikobewusstsein bei KMU zu verbessern und adäquaten Versicherungsschutz zu beschaffen“, erklärte KuBI-Vorstandsvorsitzender Ulrich Zander.  

BVK-Vizepräsident Andreas Vollmer ergänzte: „Die Studie zeigt auch, dass Versicherungsvermittler noch stärker als Risikobegleiter und nicht nur als Produktverkäufer wahrgenommen werden sollten. Vermittler selbst können ihr Profil stärken und die KMU dabei unterstützen, ein eigenes Risikomanagement zu entwickeln.“

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