Transparenz: Anbieter bessern bei Restschuldversicherungen nach

Anne Hünninghaus Versicherungen

Aufgrund überhöhter Provisionen und mangelnder Transparenz stehen Restschuldversicherungen schon lange in der Kritik. Nun haben sich einige Versicherer auf eine Selbstverpflichtung geeinigt, die Verbrauchern mehr Rechte einräumen soll.

Restschuldversicherungen sollen transparenter werden.

Restschuldversicherungen sollen transparenter werden. Bild: Adobe Stock/Gina Sanders

Eigentlich dient die Restschuldversicherung dazu, Kreditnehmern eine Last von den Schultern zu nehmen und sie vor den Folgen existenzieller Risiken zu schützen. Ist ein Kunde beispielsweise aufgrund eines Jobverlusts oder gesundheitlicher Probleme nicht mehr in der Lage, Darlehensraten zurückzuzahlen, werden diese für einen festgelegten Zeitraum von der Versicherung übernommen.

Das Produkt stand allerdings zuletzt aus verschiedenen Gründen in der Kritik, vor allem wegen der oft umfangreichen Ausschlussklauseln. Auch liegen die Stornoquoten laut Verbraucherzentrale teils überdurchschnittlich hoch, da Kunden die Police oft als Zusatzprodukt zu ihrer Kreditaufnahme abschließen, ohne sie vorher eingehend zu prüfen.

Die Branche reagiert mit zaghaften Nachbesserungen

Insgesamt 23 Restkreditversicherer, darunter auch Allianz und R+V, haben sich nun, wie der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vermeldet, selbst verpflichtet, Verbrauchern über die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen hinaus Rechte einzuräumen.

Die wesentlichen Nachbesserungen: Die Unterzeichner gewähren ihren Kunden eine Widerrufsfrist der Verträge innerhalb von 30 Tagen. Zudem werden Abschluss- und Verwaltungskosten einer bestehenden Restschuldversicherung ohne Stornoabschlag anteilig auf die neue Police angerechnet, wenn Kunden einen Kreditvertrag stornieren und direkt durch einen Neuvertrag ersetzen. In Höhe des zuvor bestehenden Versicherungsschutzes gibt es dann keine erneute Wartezeit für die versicherten Risiken. Auch wollen die Anbieter für eine bessere Verständlichkeit der Dokumente sorgen – wie genau diese auszusehen hat, wird allerdings nicht näher definiert. Die Regelungen gelten unabhängig davon, ob der Kunde selbst der Versicherungsnehmer ist oder die kreditgebende Bank.

Zu intransparent und teuer?

Seit 2018 sind die Anbieter von Restschuldversicherungen gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Kunden innerhalb einer Woche nach Vertragsabschluss erneut in Textform über ihr Widerrufsrecht aufzuklären. Diese sogenannten Welcome-Letters standen im vergangenen Herbst in der Kritik, statt zu informieren in erster Linie als Werbemittel eingesetzt zu werden.

Neben dem Thema Transparenz wurden auch die hohen Kosten in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert. In der Restschuldversicherung werden überdurchschnittlich hohe Provisionen von teils mehr als 70 Prozent der Beitragssumme gezahlt. Die Umsetzung zum Referentenentwurf der Bunderegierung, der einen Provisionsdeckel für Restschuldversicherungen vorsieht, ist allerdings ins Stocken geraten. Die FDP forderte nun, die Pläne rund um den Provisionsdeckel aufgrund der aktuellen Corona-Krisenlage zu vertagen.

Noch Anfang März hatte die Bundestagsfraktion der Grünen zu mehr Tempo in dieser Sache gemahnt: Sie hatte im November 2019 in einem Antrag auf einen Provisionsdeckel für Restschuldversicherungen gedrängt und einen Provisionsdeckel „von 1,5 Prozent bezogen auf den durch die Restschuldversicherung versicherten Darlehensbeitrag“ gefordert.  

Eine weitere Forderung sieht vor, dass Restschuldversicherungen nicht zeitgleich mit einem Kreditvertrag abgeschlossen werden dürfen. Stattdessen müsse mindestens ein Zeitraum von einer Woche zwischen den beiden Vertragsabschlüssen liegen.