PKV-Notlagentarif als Corona-Alternative

Florian Burghardt Corona Berater

Immer weniger privat Krankenversicherte sind ihrem Anbieter Beiträge schuldig und so sinkt die Anzahl der Personen im PKV-Notlagentarif. Die Corona-Krise könnte diese Entwicklung stoppen. Kommt jetzt die vollständige Öffnung des PKV-Standardtarifs?

Die Corona-Krise beschert vielen Menschen finanzielle Einbußen. Dadurch könnte die Anzahl der privat Krankenversicherten im günstigen und leistungsseitig abgespeckten Notlagentarif wieder steigen.

Die Corona-Krise beschert vielen Menschen finanzielle Einbußen. Dadurch könnte die Anzahl der privat Krankenversicherten im günstigen und leistungsseitig abgespeckten Notlagentarif wieder steigen. Bild: Adobe Stock/borislav15

Im sogenannten Notlagentarif der privaten Krankenversicherung (PKV) waren im Jahr 2019 insgesamt 97.100 Personen versichert – ein Rückgang um knapp 5.000 versicherte gegenüber 2018. Das hat nun der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) mitgeteilt. Dabei handelt es sich um den niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Nur im Jahr 2013, als der Notlagentarif eingeführt wurde, hatte man weniger Versicherte (93.600) gezählt.

Ob der niedrige Wert auch im Jahr 2020 gehalten werden kann, ist fraglich. Denn die Corona-Krise könnte mehr Menschen, denen es finanziell schlecht geht, in diese Sonderform der PKV treiben. Im Notlagentarif landet, wer seinen Beitragsrückstand nach zweimaliger Mahnung des Versicherers nicht begleicht. Es handelt sich quasi um eine Umstufung. Der ursprüngliche Versicherungsschutz ruht in dieser Zeit. Erst wenn die Betroffenen ihre Schulden beim Versicherer getilgt haben, können sie ihren eigentlichen Versicherungsschutz und die damit verbundenen Leistungen zurückerhalten.

Alternative während der Krise

Bis dahin haben sie über den Notlagentarif Anspruch auf medizinische Versorgung von Akuterkrankungen, bei Schmerzen sowie rund um Schwangerschaft und Geburt. Beim PKV-Verband sieht man den Notlagentarif während der Corona-Krise als gut geeignete Alternative. Er könne insbesondere selbstständigen Privatversicherten helfen, die aufgrund der Pandemie unter Einkommenseinbußen leiden, heißt es von Seiten des Verbands.

Im Durchschnitt kostet der monatliche Beitrag für den Notlagentarif 100 Euro und liegt damit deutlicher unter den üblichen Kosten für eine private Krankenvollversicherung. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt etwa ein Jahr. „Das zeigt, dass er – genau wie vom Gesetzgeber beabsichtigt – den Betroffenen hilft, ihre vorübergehende Notlage zu überwinden“, betont man beim PKV-Verband.

Standardtarif für alle öffnen

Wichtig wäre es in der aktuellen Krise außerdem, wenn der Gesetzgeber den PKV-Standardtarif auch für seit 2009 neu privat Krankenversicherte öffnen würde, plädiert die Interessenvertretung der PKV-Anbieter. „Die PKV könnte dann all ihre Versicherten mit guter Rückkehroption in die Alttarife durch die Krise bringen.“ Diese Forderung steht schon lange im Raum. Die Corona-Krise, die bereits das Einkommen vieler Menschen reduziert hat, verleiht der Forderung aber noch aktuellen Antrieb. So hatte auch der Bund der Versicherten (BdV) jüngst die Öffnung des Standardtarifs für alle Versicherten gefordert.

Die Anzahl der im Standardtarif Versicherten stieg, laut PKV-Verband, im Jahr 2019 um gerade einmal 100 auf 51.400. Der Basistarif, der finanziell geschwächten Menschen offensteht, die ihre private Krankenversicherung erst ab dem Jahr 2009 abgeschlossen haben, zählte im Vorjahr 32.400 Personen (+400 gegenüber 2018).

profino hat für Makler exklusiv mit freundlicher Unterstützung der Zurich einen Hilfebereich eingerichtet. Hier erfahren Sie alles, was Makler unmittelbar wissen müssen aus den Bereichen "Ihre Beratung", "Ihr Maklerunternehmen" und "Ihre Gesundheit".