Maklervollmacht: So lässt sie sich umfassend gestalten

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News

Versicherer verweigerten zuletzt häufiger Auskünfte gegenüber Maklern wegen angeblich abgelaufener Maklervollmacht. Was Makler in dieser Situation tun sollten und wie eine umfassende Vollmacht des Kunden aussehen könnte.

Makler sollten Sorgfalt bei der Maklervollmacht walten lassen, rät Wilfried E. Simon, Dozent für Versicherungsrecht bei TÜV Rheinland-Akademie und IHK Koblenz.

Makler sollten Sorgfalt bei der Maklervollmacht walten lassen, rät Wilfried E. Simon, Dozent für Versicherungsrecht bei TÜV Rheinland-Akademie und IHK Koblenz. Bild: IGVM

Maklervollmachten gelten unbefristet, solange der Kunde an der Betreuung festhält. Dennoch glauben offenbar mehrere Versicherer an ein Verfallsdatum dieser Dokumente. Das ist rechtlich nicht haltbar, da Paragraf 170 BGB klar sagt: Wird die Vollmacht durch Erklärung gegenüber einem Dritten erteilt, so bleibt sie diesem gegenüber in Kraft, bis ihm das Erlöschen von dem Vollmachtgeber angezeigt wird. Einzig der Kunde kann also die Vollmacht zurückziehen, obwohl zum Beispiel die Zurich-Gruppe Deutschland bei Lebensversicherungen kürzlich anders verfuhr (procontra berichtete).

Das Reizthema wäre Mitte März auf dem 18. IGVM-Versicherungsmaklerforum in Kassel ausführlich besprochen worden, doch die Veranstaltung musste wegen Corona auf unbestimmte Zeit verschoben werden. procontra fragte aus aktuellem Anlass bei Wilfried E. Simon nach. „Grundsätzlich hat der Kunde Anspruch auf Korrespondenz mit und Auskunftserteilung gegenüber einem von ihm eingeschalteten Makler“, sagt Versicherungsmakler Simon, zugleich Dozent für Versicherungsrecht und Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM).

BGH nennt Indizien für umfassende Vollmacht

Simon bezieht sich dabei auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom 29. Mai 2013, wo der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster (LVM) dazu verurteilt wurde, die Korrespondenz mit einem vom Kunden eingeschalteten Makler als vertragliche Nebenpflicht (nach Paragraf 241 BGB) zu erfüllen (Az.: IV ZR 165/12).

Das Vertriebssystem von LVM ist durch Ausschließlichkeitsvermittler, sogenannte Vertrauensleute, geprägt. Kunden, die dem hauseigenen Vertrieb den Rücken kehren, sind da gar nicht vorgesehen. Doch ausgerechnet ein Kunde zog durch alle Instanzen und stärkte seinem betreuenden Makler den Rücken. Die Auskunftspflicht gegenüber dem Makler reicht jedoch nicht weiter als diejenige, die der Versicherer unmittelbar gegenüber dem Kunden hätte, so die Bundesrichter.

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