Lebensversicherung: Woran erkennt man die krisenfeste Anlage?

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procontra: Beobachten Sie, dass Lebensversicherer bereits mit neuen Anlagestrategien auf die Corona-Krise reagieren?

Will: Nein, so schnell passiert da nichts – vermutlich wird die Aktienquote leicht rückläufig sein. Die Versicherer haben die Märkte nun genau im Blick, kopflos umplanen werden sie aber nicht. Der Aktienanteil ist traditionell relativ niedrig, da gibt es nur einige ausgewählte Gesellschaften - mit höheren Anteilen - die von den sinkenden Kursen betroffen sind. Die Kapitalanlage ist dieser Tage schwierig geworden, insbesondere was die Lebensversicherung betrifft, die nach vermeintlich langfristig sicheren Anlagen suchen muss.

procontra: Viele Versicherte machen sich nun Sorgen, ob ihre Altersvorsorge sicher ist. Wie lassen sie sich beruhigen?

Will: Zu dieser Sorge besteht derzeit kein Anlass. Es ist doch so: Mit einem Lebensversicherungsvertrag geht es mir zurzeit deutlich besser als mit einem Aktiendepot, das womöglich um 30 Prozent abgestürzt ist. Als Kunde habe ich bislang nicht einen Euro verloren – mit Ausnahme der Überschussbeteiligung, die dürfte leiden. Sie ist aber ohnehin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Das gilt solange das Versicherungsunternehmen während der Krise nicht insolvent geht – aber das ist aus unserer Sicht eher unwahrscheinlich.

procontra: Stehen Lebensversicherer nun unter besonderem Druck?

Will: Versicherer sind aufgrund des nachgelagerten Leistungsprinzips in der Regel gute Schuldner ohne Liquiditätsprobleme. Aber, ja, sie werden im Zuge der Krise neben der Kapitalanlage auch durch ausfallende Forderungen unter Druck geraten, weil die Kunden ihrerseits Zahlungsprobleme bekommen. Das könnte auf die Prämienzahlungen wirken. In der Lebensversicherung sind die Unternehmen bemüht, Verträge weiter zu halten – daher wird man Kunden entgegenkommen, zum Beispiel, indem man ihnen Möglichkeiten der Stundung gibt. Auf der Leistungsseite gibt es durch Corona noch keine größeren Einschnitte. Die Rate der durch das Virus bedingten Todesfälle ist in Deutschland glücklicherweise nicht so hoch, dass sie eine für Lebensversicherungen signifikante Bedeutung hätten.

procontra: Der Vertrieb von LV-Verträgen ist zurzeit schwierig, wie können Makler- und Unternehmensseite damit umgehen?

Will: Ja, das ist ein sehr sensibles Thema: Wie schaffe ich es als Versicherer meine Vermittler zu halten? Auch viele Makler dürften als Selbständige aktuell stark von der Krise betroffen sein und Existenzängste haben. Zudem wollen nur wenige Kunden in dieser Phase der finanziellen Unsicherheit Lebensversicherungsverträge abschließen. Unternehmen sollten ihre Vertriebspartner daher aktiv unterstützen, damit diese nicht untergehen.

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"Wie schaffe ich es als Versicherer meine Vermittler zu halten?"