Lebensversicherung: So viel Provision erhalten Vermittler

Detlef Pohl Berater

Keine Information zur Betriebsgröße der Ausreißer

Die BaFin hatte die Lebensversicherer gezielt auch nach Vermittlern gefragt, die für das Neugeschäft 2018 auf mehr als 4,0 Prozent Abschlussprovisionsquote kamen. Ergebnis: Solche Vermittler haben einen Anteil am Neugeschäft in Höhe von 28,23 Prozent der Beitragssumme. Die BaFin habe auch festgestellt, dass es einzelne Vermittler gibt, denen im Jahresdurchschnitt mehr als 7,0 Prozent Abschlussprovisionen gezahlt wurden. In Relation zur Größe des Vermittlerunternehmens liegen der Regierung jedoch keine Informationen vor.

Laut BaFin sind Makler am höchsten dotiert. Daunter fallen aber auch die großen Finanzvertriebe, was die Werte für den klassischen Versicherungsmakler mit wenigen Mitarbeitern verfälscht. Makler kämen anders als Vertreter ohne besondere Unterstützung der Produktgeber aus und müssten selbst für ihre Marketingaktivitäten aufkommen. Sie stehen bekanntlich im Lager des Kunden. „Die Ergebnisse zeigen, dass Mehraufwand in der Beratung höher vergütet wird“, erklärte Bettina Stark-Watzinger (FDP), zugleich Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses. „Das ist gerecht und entspricht einer fairen Preisbildung am Markt“.

Stark-Watzinger sieht in Deckel keinen Sinn 

Die Antwort der Bundesregierung bestätige laut FDP, dass nicht alle Vertriebswege über einen Kamm geschoren werden können, und ein Provisionsdeckel daher einen starken Fehlanreiz und Wettbewerbsverzerrungen liefern würde. Verbraucher könnten sich gemäß ihrer Zahlungsbereitschaft das passende Modell aussuchen. Ein Deckel beträfe Mehrfachvertreter und Makler stärker, da ein Deckel nicht nach Vertriebsformen differenziere.

Ausreißer von über 7,0 Prozent Abschlussvergütung nannte Stark-Watzinger „unerfreulich“. Da müsse man im Zweifel wegen Missbrauchs eingreifen. „Einzelne schwarze Schafe rechtfertigen aber nicht, die gesamte Branche mit einem Deckel zu überziehen und einen funktionierenden Markt zu zerstören“, betonte die FDP-Finanzexpertin.

Ähnlich hatte sich schon zuvor Carsten Brodesser (CDU), ebenfalls Mitglied im Finanzausschuss und Berichterstatter der AG Finanzen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, geäußert. Er hatte eine Abweichung von bis zu 30 Prozent um die aktuelle marktdurchschnittliche Provisionshöhe als marktübliche Abweichung vorgeschlagen. Höhere Provisionen sollten als unzulässig eingestuft werden oder benötigten die Genehmigung der BaFin (mit Verweis auf Paragraf 48a VAG). Die SPD trug diesen Kompromissvorschlag nicht mit (procontra berichtete).

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