Lebensversicherung: So viel Provision erhalten Vermittler

Detlef Pohl Berater

In einer Antwort auf die Kleine Anfrage der FDP zur Höhe der LV-Provisionen wird immerhin nach Vertriebswegen unterschieden. Die Zahlen beziehen sich auf 2018 und lassen einmal mehr nicht erkennen, was ein Provisionsdeckel bringen soll.

Die Zahlen zu Provisionen bei Lebensversicherungen künden von einem funktionierenden Markt, sagt FDP-Finanzexpertin Bettina Stark-Watzinger.

Die Zahlen zu Provisionen bei Lebensversicherungen künden von einem funktionierenden Markt, sagt FDP-Finanzexpertin Bettina Stark-Watzinger. Bild: FDP

Im Durchschnitt erzielte ein Vermittler in 2019 einen Umsatz in Höhe von 108.120 Euro und einen Gewinn von rund 55.000 Euro. Dies ist ein Ergebnis des AfW-Vermittlerbarometers, der jährlichen Online-Branchenumfrage des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung (procontra berichtete). Dabei befinden sich jedoch zwei Drittel der befragten 1.586 Vermittler im Gewinn-Segment von nur bis 50.000 Euro. 81 Prozent der Befragten wiesen sich als unabhängige Versicherungsmakler aus.

Das Vermittlerbarometer gibt jedes Jahr einen Einblick in die aktuelle Einkommenssituation von Versicherungs- und Finanzmaklern. Im Jahr 2018 waren es im Schnitt 49.970 Euro Gewinn beziehungsweise Überschuss aus den jährlichen Provisionseinnahmen und damit 2.570 Euro mehr als 2017 (procontra berichtete). Eine BVK-Analyse war im Sommer 2019 zu ähnlichen Ergebnissen gekommen (procontra berichtete).

Keine neuen Zahlen zu 2019

Die Analyse solcher Daten ist mitentscheidend in der leidigen Diskussion um einen Provisionsdeckel in der Lebensversicherung, den die Regierungskoalition wegen ihrer Dissonanzen bisher nicht beschlossen hat (procontra berichtete). Nachdem BaFin-Zahlen für das Neugeschäft 2018 mit häufigen Provisionen von über 4,0 Prozent kolportiert wurden (procontra berichtete), wollte es die FDP-Bundestagsfraktion in einer Kleinen Anfrage kürzlich genauer wissen.

Die Antwort der Bundesregierung liegt nun vor, publiziert in „Heute im Bundestag“ vom 7. April: Die durchschnittlichen Abschlussprovision bei kapitalbildenden Produkten in Relation zur Beitragssumme betrug für das Neugeschäft 2018 im Branchendurchschnitt 3,25 Prozent. Darin wird auf Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hingewiesen, die Angaben zur Vergütungshöhe nach unterschiedlichen Vermittlergruppen aufschlüsselt.

Ergebnis: Mehrfachvertreter erhalten die höchsten Courtagen: Im Schnitt waren es 4,46 Prozent – bezogen auf sofort ausbezahlte und aufgeschobenen Abschlussprovisionen. Makler kommen auf 3,47 Prozent, Ausschließlichkeitsvertreter 3,16 Prozent und angestellte Außendienstler 1,94 Prozent. Die BaFin schlüsselte auch auf, wie hoch die aufgeschobenen Courtagen sind: 0,87 Prozent für den gesamten Markt. Mehrfachvertreter erhalten demnach 1,19 Prozent ihrer Vergütung verzögert, Makler und Ausschließlichkeitsvertreter je 0,9 Prozent und angestellte Außendienstler 0,2 Prozent.

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