"Kulanz hat ihre Grenzen"

Martin Thaler Corona Versicherungen

Der mitunter lauten Kritik an den deutschen Versicherern stellte sich nun GDV-Präsident Wolfgang Weiler entgegen. Lob gab es für den bayerischen Kompromiss, weitergehende Initiativen sind aber wohl nicht zu erwarten.

Nahm seine Branche in Schutz: GDV-Präsident Wolfgang Weiler.

Nahm seine Branche in Schutz: GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Bild: GDV

Hoch war das Ausmaß an Kritik, das medial in den vergangenen Wochen auf die deutschen Versicherer niederprasselte. Anstoß der Kritik: Viele Versicherer erklärten, dass die von ihren Kunden abgeschlossenen Betriebsschließungsversicherungen das Corona-Virus nicht miteinschließen. Eine Einstellung, die nicht nur in der Öffentlichkeit auf wenig Verständnis stieß, sondern auch unter Versicherungsmaklern Kopfschütteln hervorrief.  

Zwar erzielten die Versicherer mit den Verbänden des Gaststättengewerbes unter Vermittlung des bayerischen Wirtschaftsministeriums einen Kompromiss, dem in der vergangenen Woche bereits acht Versicherer beitraten. Die Kritiker hat dies allerdings nur zum Teil besänftigt. Anwaltskanzleien sprachen von einem „Friss-oder-Stirb“-Angebot, ein Maklerpool bezeichnete das Angebot der Versicherer als „Almosen“.  

Dieser Kritik stellte sich nun GDV-Präsident Wolfgang Weiler entgegen, der in einem Beitrag auf der Homepage des Interessenverbandes seine Branche in Schutz nahm. „Hilfe zu leisten, ist für uns Versicherer selbstverständlich“, argumentiert Weiler. Auch in schwierigen Zeiten seien die Versicherer für ihre Kunden da. „Katastrophen gehören zu unserem Geschäftsmodell.“  

Dass Versicherer in der Vergangenheit auch in Notlagen unbürokratisch Hilfe geleistet haben, stimmt – man denke an den „Hagelsturm von München“ 1984. Die Corona-Krise übertreffe vorherige Schadensereignisse jedoch bei weitem, so Weiler: „Die gesamte Branche ist gefordert wie vielleicht nie zuvor in der Geschichte.“  

Lobende Worte findet Weiler dann auch für die „bayerische Lösung“ zwischen Versicherern und Gastwirten. Hierdurch würde sichergestellt, dass geschlossenne bzw. teilweise geschlossenen Unternehmen schnell Liquidität zur Verfügung gestellt wird.  

"Kulanz hat ihre Grenzen"

Weiler machte jedoch auch deutlich, dass eine weitergehende Brancheninitiative unter Federführung des GDV wohl nicht zu erwarten ist: „Kulanz hat ihre Grenzen“, stellte Weiler klar. „Niemand darf von unserer Branche erwarten, wirtschaftliche Schäden zu übernehmen, die gar nicht versichert sind. Denn da ist ja noch ihre Verantwortung gegenüber allen anderen: den Mitarbeitern, den Vertriebspartnern, den Eigentümern und vor allem den übrigen Kunden.“  

Unausgesprochen blieb jedoch die Tatsache, dass viele betroffene Versicherungsnehmer nicht auf Kulanz aus sind, sondern ihre Versicherungen in der Pflicht sehen, zu leisten. Während in den Vertragswerken einiger Versicherungen, Pandemien vom Leistungsumfang klar ein- bzw. ausgeschlossen sind, lassen die Klauseln vieler Versicherer Interpretationsspielraum.

Auch BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund sprach im Interview mit der Börsen-Zeitung von einer bestehenden „Grauzone“ und betont: „Hier wäre es wünschenswert, dass man mit Augenmaß eine Lösung herbeiführt, die allen Interessen gerecht wird. Aber: Unklare Klauseln dürfen nicht zu Lasten der Versicherungsteilnehmer ausgelegt werden.“ Ob die Worte Weilers darum zu einer Entspannung des Konflikts führen werden, darf bezweifelt werden.

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