KMU: Handwerk erwartet von Vermittlern am meisten

Anne Hünninghaus KMU-Schutz Berater

Je nach Branche unterscheiden sich die Ansprüche erheblich, die Mittelständler und kleine Unternehmen an Makler stellen. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Handwerksbetriebe schätzen die Expertise von Vermittlern am meisten.

Handwerksbetriebe schätzen die Expertise von Vermittlern am meisten. Bild: picture alliance/dpa Themendienst

Viele Vermittler sehen sich in der Rolle eines ganzheitlichen Beraters für ihre Kunden. Diese Kompetenz wird ihnen von kleinen oder mittelständischen Betrieben allerdings nicht unbedingt zugesprochen. Laut einer aktuellen Studie sehen diese Vermittler in erster Linie als Dienstleister, der ihren Versicherungsbedarf ermitteln soll, um dann einen adäquaten Schutz zu entwickeln. Sonstige Beratung und Unterstützung, beispielsweise in puncto Risikomanagement, trauen sie ihnen nicht zu.

„Vermittler werden hier also mehrheitlich nicht als Experten eingeschätzt, die über die reine Versicherungsvermittlung hinaus hinzugezogen werden sollten“, lautet das Resümee zu den Erwartungen von KMU an Vermittler laut der Studie, die der Assekuranz-Verein KuBI e.V. mit der Fachhochschule Dortmund vorgelegt hat. Online befragt wurden dafür Ende 2019 via YouGov 521 Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und maximal 50 Millionen Euro Jahresumsatz.

Welche Erwartungen die KMU an Versicherungsvermittler stellen, hängt unter anderem von der Unternehmensgröße ab. So schätzen vor allem Kleinunternehmen die Expertise der Vermittler bei der Risikoberatung und Bedarfsermittlung, Kleinstunternehmen und mittlere Unternehmen eher weniger.

Wo sehen KMU die Kernkompetenz der Vermittler?

Auch die Branchen nehmen die Vermittlerkompetenzen unterschiedlich wahr. Die höchsten Erwartungen an sie haben Handwerksbetriebe: Drei Viertel der Befragten aus dieser Branche setzen auf die Kompetenzen der Vermittler, wenn es um das Ermitteln des Versicherungsbedarfs geht. Auch Dienstleistungs- und Gewerbeunternehmen sehen darin eine Hauptaufgabe. Handelsunternehmen stellen diesen Anspruch deutlich seltener. Auch Freiberufler, deren Tätikeit nicht der Gewerbeordnung unterliegt (z.B. Journalisten, Ärzte oder Notare), haben hier wenig Bedarf.

Deutlich unterscheiden sich die Branchen auch, wenn es um die Entwicklung und Vermittlung eines adäquaten Versicherungsschutzes geht. Gut 85 Prozent der Handwerksbetriebe sehen darin die Kernkompetenz der Vermittler, gefolgt von Dienstleistungsunternehmen und Freien Berufen mit jeweils mehr als zwei Drittel Anteil. Gewerbebetriebe stimmen zu 60 Prozent zu. Dem gegenüber sehen nur vier von zehn Handelsbetrieben in der Beschaffung des passenden Versicherungsschutzes eine wichtige bis sehr wichtige Aufgabe - ein erstaunlich niedriger Anteil.

Anerkennung finden Vermittlerleistungen insgesamt also vor allem bei Handwerksbetrieben, die ihnen damit eine umfassendere Expertise bescheinigen. So erwartet der Studie zufolge mehr als die Hälfte von ihnen eine Betreuung über Versicherungen hinaus, wenn es um Beratungs- und Unterstützungsleistungen beim Risikomanagement geht. Auch jeder zweite produzierende Gewerbebetrieb sieht darin eine Aufgabe des Vermittlers. Die befragten Vertreter Freier Berufe sowie der Handels- und Dienstleistungsbranche haben daran hingegen kaum Interesse.

In Deutschland zählt mit 99 Prozent der Löwenanteil aller Betriebe zu den KMU, sie stellen mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze. Die meisten KMU sind im Bereich Handel tätig. Das Handwerk macht mit rund einer Million Betriebe einen wesentlichen Anteil der Mittelständler aus.

Bei der Wahrnehmung von Risiken agieren viele KMU sehr fahrlässig. Auch das hatte die Studie gezeigt. Makler könnten hiervon profitieren, wenn sie sich stärker als Risikoberater positionieren können.