Kfz-Versicherer brüsten sich mit Selbstverständlichkeiten

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Einige Kfz-Versicherer werben aktuell lautstark mit Beitragsrückerstattungen. Doch dabei handelt es sich um Selbstverständlichkeiten, die den eigentlichen Krisen-Service der Anbieter übertönen. Ein Kommentar von procontra-Redakteur Florian Burghardt.

procontra-Redakteur Florian Burghardt sieht im aktuell lauten Getrommel der Kfz-Versicherer eher Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Dabei haben sie das gar nicht nötig.

procontra-Redakteur Florian Burghardt sieht im aktuell lauten Getrommel der Kfz-Versicherer eher Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Dabei haben sie das gar nicht nötig. Bild: procontra

Jede Medaille hat zwei Seiten. Und so könnte man das aktuelle Auftreten einiger Kfz-Versicherer (darunter die beiden Marktschwergewichte Huk-Coburg und Allianz) als freundlichen Service für ihre Kunden zur Krisenzeit betrachten. Oder man sieht darin ein Werben mit Selbstverständlichkeiten, um ja nicht als „Corona-Gewinner“ zu gelten.

Mir drängt sich die zweite Sichtweise auf. Durch die Ausgangsbeschränkungen wird seit Wochen deutlich weniger Auto gefahren. In der Folge gehen die Schäden zurück und Experten rechnen in diesem Jahr mit deutlichen Einsparungen bei den Schadenkosten für die Kfz-Versicherer. Sogar von einem „goldenen Jahr“ ist die Rede. Ohne langes Warten hatte dann die Huk-Coburg vor einer Woche angekündigt, ihre Mitglieder und Kunden an dem finanziell entlastenden Corona-Effekt partizipieren zu lassen. Einige Medien haben die Meldung aufgegriffen und über bevorstehende Geldauszahlungen an die Versicherten berichtet.

Alles wie immer?

Doch in der Pressemitteilung der Huk-Coburg heißt es erklärend, dass man auch noch die Schäden durch Naturkatastrophen und Stürme im Sommer und Herbst abwarten müsse, ehe man die tatsächlichen Schadenaufwendungen für 2020 abwägen könne. Das klingt nach nichts weiter als nach einer Kalkulation der Tarifbeiträge für 2021 unter teilweiser Einbeziehung der jüngsten Schadenstatistiken. Oder anders ausgedrückt: Einer Selbstverständlichkeit, wie sie schon seit Jahrzehnten Jahr für Jahr angewendet wird.

Auf Nachfrage, ob man nun konkret Anteile aus den aktuellen Kosteneinsparungen an die Versicherten ausschütten wolle oder nur wie immer auf Basis des Schadenaufkommens die Beiträge kalkulieren wolle, sagte mir eine Huk-Coburg-Sprecherin: „Das steht noch nicht fest. Wir wollten nur zum jetzigen Zeitpunkt schon mal ein Versprechen an unsere Kunden aussprechen.“

US-Versicherer machen es vor

Doch was bringt so ein unklares Versprechen den Versicherten und der Branche? Der US-Bundesstaat Kalifornien hat Mitte April die Versicherer in mehreren Sparten dazu verpflichtet, seinen Bürgern konkrete Rabatte auf laufende Versicherungsbeiträge und sogar sofort fällige Rückvergütungen zu gewähren. Dem haben sich mittlerweile landesweit die meisten großen Kfz-Versicherer angeschlossen. Bei dem zu Investor Warren Buffetts Imperium gehörenden Anbieter Geico können versicherte Autofahrer im Schnitt mit etwa 150 Dollar (138 Euro) Erstattung rechnen. Kein Reichtum, aber in Zeiten von Kurzarbeit und Auftragsflaute für viele Menschen ein kleiner Segen für den Geldbeutel.

Sollten die hiesigen Versprechen am Ende nur als die alljährlichen, für das Kundenauge unsichtbaren Beitragskalkulationen versanden, könnte eher ein Gefühl von Enttäuschung anstatt von Dankbarkeit entstehen. Zumal die Versicherungsbranche in der Corona-Krise nicht gerade ihr Image aufpoliert.

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