Gothaer: „Das ist eine brutal harte Zeit“

Anne Hünninghaus Corona Versicherungen

Anstelle der Bilanzen stand vor allem das Thema Krisenmanagement im Fokus der Gothaer-Pressekonferenz. Zudem wurde überraschend ein Wechsel an der Spitze der Versicherung verkündet.

Bilanz-PK: Neuigkeiten von der Gothaer.

Bilanz-PK: Neuigkeiten von der Gothaer. Bild: Gothaer Versicherung

Die Zahlen des vergangenen Jahres standen in der Bilanzpressekonferenz der Gothaer am 3. April nur für wenige Minuten im Mittelpunkt – in der aktuellen Krisenzeit scheint 2019 eine längst vergangene Ära zu sein. Dass die gebuchten Bruttobeiträge  auf Konzernebene um 6,4 Prozent auf 4.487 Millionen Euro stiegen, lieferte daher nur eine Randnotiz in der Videoschalte. Man fühle sich solide aufgestellt für die kommenden herausfordernden Zeiten, fasste Vertriebsvorstand Oliver Brüß den Status quo zusammen. 

Weitgehend sichere Kapitalanlage  

Auch der Frust um die Niedrigzinspolitik, ein bestimmendes Thema des vergangenen Jahres, wird durch die Krise überlagert. „2019 waren die Kapitalmärkte im Großen und Ganzen noch in Ordnung“, so Vorstandsmitglied Harald Epple. Angesichts der aktuellen Lage sei man mit einer niedrigen Aktienquote von 1,2 Prozent gegenüber einem Anteil liquider Assets von 83,4 Prozent in der Kapitalanlage weitgehend krisensicher aufgestellt.  

Dank der Entscheidung für geringe Risiken und ein qualitativ hochwertiges Anleiheportfolio ist die Gothaer im bisherigen Verlauf der Corona-Krise demnach noch nicht allzu stark getroffen. Der eigenen Schätzung zufolge hat man hinsichtlich der Kapitalanlagen bis einschließlich 30. März zwischen 1,5 und 4 Prozent eingebüßt.  Ansonsten überwiegt die Unsicherheit: Wie sich die Krise auf den Umsatz auswirken wird, kann und will heute noch keiner abschätzen.  

Entgegenkommen für Makler und Kunden 

Kunden und Maklern verspricht die Gothaer – wie auch andere Versicherer – finanziell entgegenzukommen. „Dem einen Kunden kann eine Beitragsstundung helfen, einem anderen das Angebot, seinen Versicherungsschutz für im Moment nicht benötigte Leistungen kurzzeitig zu reduzieren. Für jede Notlage finden wir gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern und Kunden eine individuelle Lösung“, erklärte der Vertriebschef. Daneben bietet das Unternehmen allgemeine Unterstützung: Für Unternehmerkunden beispielsweise eine einmalige, kostenlose Rechtsberatung rund um die Corona-Krise oder eine beitragsfreie Ruheversicherung ohne amtliche Stilllegung im Bereich Gewerbe Kraftfahrt. 

„Wir versuchen Partner und Kunden mit Liquidität zu unterstützen. Dafür geben wir Möglichkeiten der Ruheversicherung und passen aktuell auch die Prämien für 2020 nach unten an“, so Gothaer Allgemeine-Chef Christopher Lohmann.  

Zudem wolle man in der Schadenregulierung großzügig agieren. Die Schäden, die der Versicherung im Bereich Medienproduktionen und Veranstaltungen verzeichnet, seien momentan mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag zu verzeichnen und damit nach eigener Aussage „verkraftbar“. Mehr Sorge macht der Blick auf Veranstaltungen im Sommer: „Da wird eine zweite Welle auf uns zurollen.“ Der zweite große Bereich der Schadenregulierung ist das Thema Betriebsschließungen. Hier gelte es, Einzelfälle zu prüfen, man arbeite aber aktiv daran mit, dass es zu einer Branchenlösung komme. „Das ist für uns auch eine brutal harte Zeit, die uns Geld kosten wird“, so Lohmann.  

Angebotsausbau in Zeiten der Krise 

Neben dem Management der Krise, möchte man zudem an mehreren Stellen das Angebot erweitern. Die Erfahrungen der Gothaer Krankenversicherung, die im Januar mit dem Autozulieferer Webasto den ersten Corona-Fall Deutschlands im betrieblichen Gesundheitsmanagement betreute, wolle man nun skalieren und in die Breite ausbauen.

Erste Neuigkeiten gab es auch in Bezug auf den jüngst verkündeten Wegfall der Telematik-Sparte. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass der bisherige Partner, die Berliner Emil Group, sich aus dem Geschäft zurückzieht: „Wir glauben weiterhin an das Thema Telematik“, betonte Vorstand Lohmann. „Dafür sind wir bereits in konkreten Gesprächen mit einem Rückversicherer, um ein alternatives Angebot zu entwickeln.“ Dieses solle im Laufe des kommenden Jahres auf den Markt kommen.

Wechsel an der Spitze 

Eine für viele überraschende Neuigkeit gab es dann noch von der Spitze des Unternehmens: Mitten im Corona-Krisenjahr wird Dr. Karsten Eichmann (58) wird sein Mandat als Vorstandsvorsitzender zum 30. Juni 2020 niederlegen. Das sei eine Entscheidung „mit Blick auf die eigene Lebensplanung“. Zu dessen Nachfolger hat der Aufsichtsrat Oliver Schoeller (49) berufen, Vorstandsmitglied und Vorstandsvorsitzender der Gothaer Krankenversicherung AG. Schöller wird den Vorstandsvorsitz bei der Gothaer Versicherungsbank VVaG und der Gothaer Finanzholding AG zum 1. Juli 2020 übernehmen.

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