Gewerbe-Schutz während Corona: „Leerstand ist nicht das einzige Risiko“

Florian Burghardt Corona Berater Versicherungen Top News

Durch die Corona-Krise stehen viele Gewerbegebäude leer. Was das für den Versicherungsschutz bedeutet und welche weiteren Risiken und Akquise-Chancen er jetzt sieht, verrät der auf Handwerksbetriebe spezialisierte Makler Rainer Schamberger im Interview.

Leerstand ist nicht das einzige Risiko, auf das Makler ihre Gewerbekunden während der Corona-Krise ansprechen sollten, weiß der „Handwerksmakler“ Rainer Schamberger.

Leerstand ist nicht das einzige Risiko, auf das Makler ihre Gewerbekunden während der Corona-Krise ansprechen sollten, weiß der „Handwerksmakler“ Rainer Schamberger. Bild: Rainer Schamberger

procontra: Durch Betriebsschließungen und Kurzarbeit gibt es momentan in zahlreichen Betrieben leerstehende Gebäude(komplexe). Was müssen Makler in der aktuellen Zeit bei Leerstand beachten und was müssen ihre Kunden tun?

Rainer Schamberger: Der Makler sollte hier seine Mandanten darauf hinweisen, dass bei Leerstand verschiedene Pflichten auf den Versicherungsnehmer zukommen. So sollte der Mandant täglich das Objekt begehen und prüfen ob zum Beispiel alle Sicherungssysteme funktionieren, alle Stecker aus Steckdosen gezogen wurden, Fenster geschlossen sind und die Wasserleitungen funktionieren. Außerdem muss die Heizung je nach Witterung bei Frost angestellt werden oder bei wärmeren Temperaturen eben ausgestellt werden.

In jedem Fall sollte der Makler seine Kunden darüber informieren, dass der Leerstand der Versicherung gemeldet werden muss. Die Aufgabe des Maklers ist es nun, mit dem Versicherer zu verhandeln, dass Aufgrund der getroffenen Maßnahmen durch den Versicherungsnehmer keine Reduzierung des Versicherungsschutzes stattfindet. Viele Versicherer wollen in Zeiten des Leerstandes den Einbruchdiebstahl-Schutz ausschließen oder die versicherten Summen reduzieren –das gilt es im Vorfeld zu klären und zu vermeiden.

Zeit für Cyber

procontra: Gibt es neben dem Leerstand noch andere Risiken beziehungsweise Themen, auf die Makler ihre Gewerbekunden jetzt ansprechen sollten?

Schamberger: Je nach Branche verlagert sich viel Umsatz nun auf einen anderen Vertriebsweg, nämlich den Online-Handel. Deswegen ist es wichtiger denn je, eine Cyberversicherung in den Fokus bei den Unternehmern zu bringen. Was die Pandemie für das Offline-Lokal ist, ist die Malware für den Online-Vertrieb. Deswegen ist es genau jetzt der richtige Zeitpunkt, die bisher oft vernachlässigte Cyberversicherung bei den Unternehmern anzusprechen und zu integrieren.

Außerdem sollte auch grundlegend das Thema der Betriebsschließungsversicherung auf den Beratungsplan gebracht werden. Egal ob der Kunde nun direkt betroffen ist oder nicht, es ist ein Thema über das jetzt gesprochen werden sollte. Auch ist für viele nicht klar, dass so eine Versicherung nur 30 bis maximal 60 Tage leistet, auch hier gilt es die Mandanten aufzuklären.

Ein dritter Denkansatz könnte sein, mit der Betriebshaftpflichtversicherung für unsere Kunden in Verhandlung zu treten. Denn Betriebe, welche schließen mussten, tragen oft nur noch das Betriebsstättenrisiko. Hier lässt sich eventuell eine Reduzierung des Beitrages aufgrund des reduzierten Risikos verhandeln. Gerade jetzt ist also die Zeit für Makler, den eigenen Bestand zur Überprüfung aller Verträge zu kontaktieren. Denn viele Kunden haben aktuell mehr Zeit, um sich mit ihren Verträgen intensiver auseinanderzusetzen.

Seite 1: Wichtige Beratung bei Leerstand und Cyber
Seite 2: Akquise-Chancen für Makler in der Krise?

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare