Cyber: Homeoffice öffnet Einfallstore für Hacker

Detlef Pohl Berater

Mehr Homeoffice wegen des Coronavirus führt zur Blüte auch elektronischer Viren. Hacker nutzen aus, dass Mitarbeiter teils mit Eigengeräten im Firmennetzwerk arbeiten. Erst 13 Prozent aller KMU besitzen eine Cyberpolice. Was eine Studie noch zeigt.

„Schadsoftware kann auch in kleinen Firmen den Betrieb zum Erliegen bringen“, sagt Frank Huy, Leiter Haftpflicht und Financial Lines der Gothaer Versicherung.

„Schadsoftware kann auch in kleinen Firmen den Betrieb zum Erliegen bringen“, sagt Frank Huy, Leiter Haftpflicht und Financial Lines der Gothaer Versicherung. Bild: Gothaer

Die Firmen in Deutschland sind endlich aufgewacht und erkennen die potenziellen Gefahren durch Cyber-Angriffe, hatte Willis Towers Watson im vergangenen Sommer beobachtet (procontra berichtete). Allerdings haben 87 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) noch keine Versicherung abgeschlossen, die gegen die Folgen von Cyberattacken hilft.

Wie die „KMU-Studie 2020“ der Gothaer Versicherung, die auf einer Umfrage von über 1.000 KMU-Verantwortlichen für Versicherungen im Februar beruht, weiter zeigt, sind Hackerangriffe dennoch inzwischen die größte Sorge. 44 Prozent der Befragten sehen in einem Angriff auf die Firmen-IT das meistgefürchtete Szenario. Es ist damit noch größer als die Angst vor menschlichem Versagen (41 Prozent) und dem Betriebsausfall (37 Prozent) – siehe Grafik. Allerdings könnte sich die Rangfolge bei der KMU-Studie 2021 ändern, denn das Corona-Virus dürfte die reale Angst vor Betriebsschließungen massiv erhöhen, nachdem selbst Betriebsschließungsversicherungen nur zögernd für Schäden einstehen (procontra berichtete).

„Cybergefahren sollten von KMU nicht unterschätzt werden“, betont Frank Huy, Leiter Haftpflicht und Financial Lines der Gothaer. „Auch bei kleinen Firmen – sei es der Friseurmeister, die Medienagentur oder der Gas- und Wasserinstallateur – können zum Beispiel Anhänge von Phishing-E-Mails große Schäden anrichten, kann Schadsoftware Kundendaten verschlüsseln oder den Betrieb zum Erliegen bringen.“ Die Kosten für die Datenwiederherstellung, für den Hardwareaustausch und für die professionelle Unterstützung durch IT-Experten könnten in die Zehntausende Euro gehen.

Cyber: Widerspruch zwischen Angst und Absicherung

Eine Cyberpolice, die vor solchen Kosten schützt, die kleine Firmen leicht in finanzielle Schieflage bringen können, besitzen laut Umfrage nur 13 Prozent der KMU - trotz der großen Angst vor Hackerangriffen. Wichtiger ist derzeit die Betriebshaftpflichtversicherung, die 90 Prozent aller befragten KMU abgeschlossen haben. Weit dahinter folgen die betriebliche Gebäudeversicherung (56 Prozent) und die Elektronikversicherung (27 Prozent).

Auffällig jedoch: Je größer die Firma, desto eher besitzt sie eine Cyberpolice. Nur sieben Prozent der Firmen mit maximal 20 Mitarbeitern verfügen über eine entsprechende Versicherung – in der Gruppe der 21 bis 200 Mitarbeiter liegt die Abdeckung schon bei 15 Prozent und bei den Unternehmen bis 500 Mitarbeitern bei 24 Prozent. Alarmierend und zugleich ein guter Ansatz für die Firmenkundenberatung von Maklern: Nur zehn Prozent der KMU mit einem bis zehn Mitarbeitern und 20 Prozent bei denen mit elf bis 20 Mitarbeitern beschäftigen sich aktuell damit, womöglich eine Cyberpolice abzuschließen.

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