Corona: Jeder 5. Versicherer erwartet Personalabbau und Prämienerhöhungen

Martin Thaler Corona Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Herausforderungen bei der Kapitalanlage, ein sinkendes Neugeschäft und erhöhte Schadenquoten – wie werden die Versicherer auf dieses Trio an Problemen reagieren? Ein Fünftel der befragten Versicherer ist überzeugt davon, dass die Auswirkungen dieser Krise auch die Angestellten bzw. Kunden der Versicherer zu spüren bekommen werden. So halten 21 Prozent der Unternehmen Prämienerhöhungen für realistisch.

Jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) glaubt zudem daran, dass die Versicherer in den kommenden zwei Jahren Personal abbauen werden. Hierzu passt die Einschätzung, dass infolge der Corona-Krise die Vermittlerzahlen weiter zurückgehen werden. Kurzfristig erwarten 64 Prozent der befragten Versicherer eine Verstärkung des seit Jahren bestehenden Trends. Vor allem die gebundenen Vermittler waren bislang die Leidtragenden dieser Entwicklung, zuletzt entwickelte sich jedoch auch – wenn auch nur geringfügig – die Zahl der Makler rückläufig.  

Dass die Corona-Krise den Vertrieb besonders hart trifft, versucht auch BVK-Chef Michael Heinz öffentlich zu kommunizieren. Richtete er vor zwei Wochen noch einen Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vermittler in der Krise nicht zu vergessen, legte der Vermittlerverband gestern Zahlen nach, die die schwierige Situation der Vermittler unterstreichen sollen. 

Vermittler "massiv" von Corona-Krise betroffen

So klagten von 1.628 befragten Vermittlern zwei Drittel über Umsatzeinbußen, weitere 25 Prozent können die Lage noch nicht abschätzen. Durchschnittlich lagen diese Einbußen bei 38 Prozent. „Diese Daten zeigen, dass auch unser Berufsstand massiv von der Corona-Krise getroffen wurde“, erklärte Heinz.  

Neben den Vermittlern gehört auch das Image der Branche zu den Verlierern der Krise. Nur sieben Prozent der Versicherer glaubt nicht an Auswirkungen der Corona-Krise auf das öffentliche Ansehen der Unternehmen, 50 Prozent hingegen schon. Besonders die Diskussion um die Betriebsschließungsversicherung gestaltet sich für die Versicherungsindustrie problematisch. Diese habe das Potenzial, für die Versicherer zum "Dieselgate" zu werden, fürchten viele Unternehmen.

„Die Branche hat Sorgen um ihr Image, wenn sie Zahlungen etwa bei Betriebsschließungen verweigert, weil die abgeschlossene Versicherung das Pandemierisiko nicht beinhaltet“, so Prof. Dr. Fred Wagner, Vorstand des Instituts für Versicherungswissenschaften e.V. an der Universität Leipzig. „Die Art und Weise, wie die Versicherer mit Zahlungen umgehen, wie kulant sie sind und ob sie sich beispielsweise auch an sozialen Projekten rund um die Corona-Krise beteiligen, wird auch über ihr künftiges Image entscheiden. Gerade jetzt in der Krise haben die Versicherer die Chance, sich als Partner an der Seite der Kunden und der Gesellschaft als Ganzes zu positionieren – was langfristig positiv auf das Image einzahlen wird.“  

"Kuhhandel mit der Versicherungswirtschaft"

Noch ist der Streit beim Thema Betriebsschließungsversicherungen jedoch nicht beendet. Zum einen reichen die ersten betroffenen Gastwirte öffentlichkeitswirksam Klagen gegen die Versicherer ein. Zum anderen wird der vom bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ausgehandelte Kompromiss zwischen Gaststättengewerbe und Versicherern mittlerweile verstärkt infrage gestellt. So bezeichnete Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Landtags-Grünen, den Kompromiss als „Kuhhandel mit der Versicherungswirtschaft zulasten unserer Hotel- und Gastronomiebetriebe“.    

Neben zahlreichen Risiken sehen die Versicherer jedoch auch die Chancen der Krise – 93 Prozent erwarten einen Digitalisierungsschub sowie eine Flexibilisierung der Geschäftsmodelle, 70 Prozent eine Modernisierung des Vertriebs. Nicht jedes Unternehmen wird jedoch in der Lage sein, die notwendigen Digitalisierungsmaßnahmen und Anpassungen vorzunehmen, so dass eine Konsolidierung in der Branche als sehr wahrscheinlich gilt. "Die Zeit nach Corona wird nicht mehr dieselbe sein wie vor Corona", hatte Wagner vor einigen Wochen im procontra-Interview prophezeit. Vieles spricht dafür, dass er Recht behalten wird.

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