Corona: Jeder 5. Versicherer erwartet Personalabbau und Prämienerhöhungen

Martin Thaler Corona Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt

Die Corona-Krise trifft auch die Versicherungsindustrie mit "voller Wucht", wie die Unternehmen bestätigen. Vor allem Kunden und Vermittler dürften die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen.

Die Diskussion um Betriebsschließungsversicherungen habe das Potenzial, für die Versicherer zum "Dieselgate" zu werden, sind Branchenvertreter überzeugt.

Die Diskussion um Betriebsschließungsversicherungen habe das Potenzial, für die Versicherer zum "Dieselgate" zu werden, sind Branchenvertreter überzeugt. Bild: AdobeStock/ Danny

Je länger die Corona-Krise andauert, desto mehr Studien beschäftigen sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von Lockdown und Kontaktsperren – auch auf die Versicherungsindustrie. Auch diese wird von der Pandemie „mit voller Wucht“ getroffen, wie nun eine neue Umfrage der Beratungsgesellschaft EY und der V.E.R.S. Leipzig GmbH nahelegt. Befragt wurden für diese keine Kunden, sondern die Unternehmen selbst. Insgesamt 30 Versicherer beteiligten sich und zeichneten ein Bild, das von schweren Auswirkungen auf die Branche ausgeht.

Nahezu Übereinstimmung herrscht bei der Einschätzung, dass die Krise Auswirkungen auf die Kapitalanlagen der Versicherer hat – 96 Prozent der befragten Unternehmen erwarten dies. Viele haben bereits reagiert und – wie beispielsweise die Deutsche Familienversicherung - insbesondere italienische und spanische Staatsanleihen verkauft und ihre Cash-Positionen erhöht.  

Auch beim Neugeschäft erwartet die überwiegende Mehrheit (84 Prozent) der Versicherer Einschnitte, 57 Prozent sind sogar von deutlichen Einbußen überzeugt. Vor allem im Bereich der Lebensversicherungen sowie beim Kfz-Geschäft gehen die Versicherer von einem sinkenden Neugeschäft aus und teilen dabei die Einschätzungen vieler Makler. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens „g/d/p“ war zu dem Schluss gekommen, dass insbesondere Makler mit Schwerpunkt Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft von wirtschaftlichen Auswirkungen betroffen sind.  

Steigende Schadenquoten

Während in der Lebensversicherung das Neugeschäft einzubrechen droht, steigen in der Kompositversicherung die Schadenquoten.  Fast jeder Versicherer sieht dabei vor allem die Veranstaltungsausfallversicherung betroffen. Wenig verwunderlich: Bis Ende August besteht in Deutschland ein Verbot von Großveranstaltungen, wodurch unter anderem sämtliche Musikkonzerte und -festivals in diesem Sommer betroffen sind. Allein die Gothaer Versicherung habe bis zu 14 Festivals versichert, erklärte Christopher Lohmann, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeinen, in der vergangenen Woche auf einer Online-Konferenz des einstigen Assekuradeurs Emil. Unter den versicherten Festivals befindet sich unter anderem das schleswig-holsteinische Wacken Open Air. „Das kostet richtig Geld“, erklärte Lohmann.  

Stark steigende Schadenquoten sehen die meisten Versicherer auch bei der Betriebsschließungsversicherung (83 Prozent), der Kreditversicherung (56 Prozent) sowie der Reiserücktrittsversicherung (54 Prozent). Auch in der Rechtsschutzversicherung dürften die Auswirkungen der Krise zu spüren sein – allein im Streit um die Betriebsschließungsversicherung drohen viele Klagen wütender Gastronomen. Dass auch die Rechtsschutzversicherer von der Krise betroffen sein dürften, hatte zuvor bereits das Beratungsunternehmen Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) festgestellt. „Nach einer ersten Schätzung von Meyerthole Siems Kohlruss können bis zu 500 Millionen Euro Schäden auf die Branche zukommen“, schätzte Thomas Budzyn, Projektleiter des Rechtsschutz-Datenpools bei MSK.  

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