Corona-Crash: Neue Studie sorgt für Entwarnung bei Immobilienbesitzern

Anne Hünninghaus Investmentfonds Berater Corona

Das Corona-Virus dürfte Deutschland in eine tiefe wirtschaftliche Krise stürzen. Was heißt das für Immobilienbesitzer? Eine neue Studie beruhigt diese erst einmal.

Immobilienbesitzer sind laut IW-Studie vergleichsweise sicher aufgestellt in der Krise.

Immobilienbesitzer sind laut IW-Studie vergleichsweise sicher aufgestellt in der Krise. Bild: Adobe Stock/ah_fotobox

Viele Experten sind sich sicher: Die Welt nach Corona wird eine andere sein als zuvor. Doch was heißt das beispielsweise für den deutschen Immobilienmarkt, der zuletzt einen regelrechten Boom erlebte? Immobilienbesitzer hatten in den vergangenen Wochen zahlreiche Schock-Nachrichten in Form dramatischer Krisenszenarien zu verarbeiten: Das Analysehaus Empirica rechnete in der vergangenen Woche vor, das Immobilienbesitzer Verluste in Höhe von bis zu 25 Prozent hinnehmen müssten, weitere Erhebungen gingen in eine ähnliche Richtung.

Nun legt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) eine weitere Studie vor, die die Sorgenfalten vieler Immobilienbesitzer jedoch wieder etwas glattziehen könnte. Der beruhigende Titel: "Immobilienbesitzer müssen sich keine Sorgen machen." Zumindest in den 50 größten Städten, die Grundlage der Untersuchung waren.

Basierend auf  verschiedenen Berechnungen hät das Insitut einen Preisrückgang zwischen null und zwölf Prozent für realistisch - abhängig davon, wie sich die Wirtschaft in Deutschland entwickeln wird. Setzt die Corona-Pandemie die deutsche Wirtschaft längerfristig außer Gefecht, dürfte auch der Effekt auf den Immobilienmarkt größer ausfallen. Zugleich gilt es die Entwicklung der Zinsen im Blick zu behalten: Fallen diese deutlich, dürften die Wohnungspreise relativ stabil bleiben - schließlich werden Immobilien dann im Vergleich zu anderen Anlagen attraktiver.

Grundlage der Berechnungen sind drei verschiedene Szenarien. Das extremste von diesen basiert dabei auf den Erfahrungen der Finanzkrise 2008/2009. Wären die Erwartungen über künftige Mieten so schlecht wie damals, würde die Immobilienpreise um 17,4 Prozent einbrechen. Allerdings sei dies nicht realistisch, beeilen sich die Studienautoren nachzureichen - schließlich basiere diese Risiko auf der Annahme stagnierender Zinsen. Da jedoch weiter von sinkenden Zinsen ausgegangen werden könnte, liege ein realistischer Preisrückgang zwischen null und zwölf Prozent.

"Wohnimmobilienmarkt wird relativ gut durch Krise kommen"

"Der Wohnimmobilienmarkt wird relativ gut durch die aktuelle Krise kommen", fasst IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer das Ergebnis zusammen. Mit dem Platzen einer Immobilienblase in Deutschland müsse nicht gerechnet werden - schließlich gibt es eine solche nach Auffassung des IW Köln auch nicht. Dagegen spricht unter anderem, dass in den letzten Jahren die Bautätigkeit nicht den tatsächlichen Bedarf übertraf. Auch stehen Mieter- und Selbstnutzerkosten in keinem krassen Missverhältnis.

Mut macht auch die Tatsache, dass weltweit derzeit große Summen Geld zum selben Zeitpunkt gedruckt werden, was aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer Inflation führen wird. „Alle Vermögenswerte profitieren davon, dass die Staaten Geld zur Verfügung stellen“, sagt Immobilien-Experte André Heid im Gespräch mit procontra. Auch fließe aus dem Ausland gerade viel Kapital zurück ins – vergleichsweise solide krisengemanagte – Deutschland. Laut Heid wird in 12 bis 24 Monaten die Immobiliennachfrage daher voraussichtlich wieder steigen.

Keine Aussage trifft die Studie des IW Köln jedoch zu der Frage zu den regionalen Entwicklungen des Wohnungsmarktes. Hier scheint es durchaus wahrscheinlich, dass Regionen, in den besonders von der Krise betroffene Branchen wie Tourismus oder die Automobilindustrie beheimatet sind, stärker von der Krise betroffen sind. Denkbar ist auch, dass in Zukunft verstärkt größere Wohnungen nachgefragt werden, da sich die Menschen angesichts ihrer Corona-Erfahrungen Homeoffice-Plätze einrichten möchten. Dies würde dann bedeuten, dass mehr Menschen aus den Städten ins Umland ziehen. Hier bleibt jedoch abzuwarten, welche dieser möglichen Szenarien letztlich auch eintreten werden.