Corona-bedingte Betriebsschließungen: Wann leistet Maklers Vermögensschaden-Haftpflicht?

Florian Burghardt Corona Berater Top News Versicherungen

Aus dem Regulierungsverhalten der Betriebsschließungsversicherer könnten sich auch Haftungsfragen für Makler ergeben. Wie es nun um deren VSH-Schutz bestellt ist, fragten wir Rudolf Bauer, Prokurist beim auf Vermögensschäden spezialisierten Hans John Versicherungsmakler.

Dass Makler im Zusammenhang mit Corona-bedingten Betriebsschließungen haftbar gemacht werden, dürfte die Ausnahme darstellen, glaubt Rudolf Bauer, Prokurist bei der auf die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung spezialisierten Hans John Versicherungsma

Dass Makler im Zusammenhang mit Corona-bedingten Betriebsschließungen haftbar gemacht werden, dürfte die Ausnahme darstellen, glaubt Rudolf Bauer, Prokurist bei der auf die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung spezialisierten Hans John Versicherungsmakler GmbH. Bild: Hans John Versicherungsmakler

procontra: Juristen sehen teilweise Klagen auf Versicherungsmakler zukommen, sofern diese ihre Kunden nicht korrekt über die Absicherungsmöglichkeiten gegen „Corona-Schäden“ – Stichwort Betriebsschließungsversicherung – aufgeklärt haben. Sind solche Fälle immer über die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherungen der Makler gedeckt?  

Rudolf Bauer: Es gibt unseres Erachtens keinen Grund zu der Annahme, dass die gegenwärtige Situation und etwaige daraus resultierende Haftungsszenarien im Zusammenhang mit Betriebsschließungsversicherungen einen Sonderfall für die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherungen der Versicherungsmakler darstellen würden. Entscheidend ist, dass zum Zeitpunkt der vermeintlich fehlerbehafteten Beratungsleistung eines Maklers eine Versicherung für die Tätigkeit nach § 34d GewO bestand. Spezielle Ausschlussgründe, die hier, anders als in sonstigen Fällen, zur Anwendung kommen könnten, sind nicht ersichtlich.  

Viel spannender dürfte ohnehin die Frage sein, welche konkreten Leistungen die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherer bei gegen Makler gerichteten Schadensersatzforderungen erbringen würden: Freistellung von berechtigten oder Abwehr von unberechtigten Schadensersatzforderungen? Hier käme es – wie immer – maßgeblich auf den Einzelfall an, also etwa auf den Umfang des Maklermandates, den Zeitpunkt der Beratung, ob eine Absicherung gegen das Risiko Betriebsschließung überhaupt gewünscht war, ob für den Endkunden nicht andere Parameter wichtiger waren etc. Und natürlich würden die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherer, wenn das Risiko Betriebsschließung tatsächlich versichert wurde, auch zu prüfen haben, welche Versicherungsbedingungen dort galten und ob die jeweilige Ablehnung des Betriebsschließungsversicherers von dessen Bedingungen gedeckt wäre. Wäre sie dies nicht, hätte der Kunde des Maklers von der Vermögensschaden-Haftpflicht­versicherung natürlich auch keine Regulierung („Quasideckung“) zu erwarten, vielmehr würde die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung dem Makler Abwehrschutz gewähren.  

Es spricht deshalb unserer Einschätzung nach einiges dafür, dass die Frage, ob Betriebsschließungsversicherer Leistungen zu erbringen haben, primär in Rechtsstreitigkeiten zwischen den Versicherungsnehmern und ihren Versicherern geklärt werden muss.  

Seite 1: Rechtsstreitigkeiten primär zwischen VN und VR
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