Corona: BaFin sieht Lebensversicherer nicht akut bedroht

Anne Hünninghaus Corona Versicherungen

Versicherungsaufseher Frank Grund liefert trotz sinkender Solvenzquoten Anhaltspunkte für eine vorsichtige Entwarnung.

BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund zur Solvenzlage der deutschen Lebensversicherer.

BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund zur Solvenzlage der deutschen Lebensversicherer. Bild: Bernd Roselieb/BaFin

„Wir halten die Situation insgesamt für beherrschbar. Die Lage ist für die Branche nicht existenzbedrohend“, beruhigt BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund im Interview mit der aktuellen Ausgabe der „Börsen-Zeitung“. Zwar rechnet die BaFin mit einem Abschmelzen der Solvenzquoten der Lebensversicherer durch negative Kapitalanlageeffekte. Sie würden mindestens im unteren bis mittleren zweistelligen Prozentpunktebereich sinken, so die Prognose, die Bezug auf eine aktuelle Sonderabfrage nimmt. Den Zahlen zufolge führt das laut Grund jedoch bei keinem der befragten Versicherungsunternehmen zu einer Unterdeckung. 

Puffer durch Solvency II

Die Strukturen seit 2016 geltende Aufsichts- und Kapitalregelwerk "Solvency II" ermöglichen es nun, auf Puffer zurückzugreifen, wozu Grund die Unternehmen aufruft. Die Abgabefrist der Solvenzberichte wäre für deutsche Lebensversicherer eigentlich auf den heutigen 7. April terminiert gewesen, war aufgrund der Corona-Krise aber bereits im März verlängert worden. Grund geht von einer Verzögerung des Solvency-II-Reviews aus. Man müsse die Effekte der Corona-Krise erst genau verstehen und aufarbeiten können, sagte er im Interview. 

In die insgesamt dennoch vorsichtig optimistische Prognose einberechnet hat die BaFin bereits Einbußen mit Blick auf das Neugeschäft und die Inanspruchnahme von Stundungen durch Kunden, die in der aktuellen Lage finanzielle Engpässe verkraften müssen. Auch die Einbrüche an den Aktienmärkten kann, so die Prognose, der Stabilität nur wenig anhaben. Die bereits eingetretenen Wertverluste im Aktienbereich würden durch steigende Anleihekurse weitgehend aufgefangen, so Grund. 

Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung der Ratingagentur Assekurata, schlug in seinem Blogbeitrag zum Thema im März andere Töne an. Auch dadurch, dass sich der Zinsverfall in der Eurozone seit Jahresbeginn durch die Corona-Krise abermals verschärft habe und internationalen Notenbanken darauf in Form von Leitzinssenkungen reagierten, sind ihm zufolge Szenarien denkbar, in denen sich die Solvenzquoten deutscher Lebensversicherer um annähernd 200 Prozentpunkte verringern.

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