„BU-Leistungsfall bei Schädigung der Lunge durch COVID-19“

Detlef Pohl Corona Berater Versicherungen Top News

In der Corona-Krise sind mittelbar auch Versicherungen betroffen, von denen man es auf den ersten Blick gar nicht vermutet. Dazu zählt die Berufsunfähigkeits-Sparte. Über die Folgen von Krankheit und Quarantäne für den BU-Fall sprach procontra mit Frank Dietrich, Geschäftsführer der Frank Dietrich Fachmakler GmbH.

Ausgangsbeschränkungen und Home-Office werden familiäre Spannungen verursachen, die psychische Erkrankungen befördern nd somit den BU-Fall begünstigen könnten, sagt Makler Frank Dietrich.

Ausgangsbeschränkungen und Home-Office werden familiäre Spannungen verursachen, die psychische Erkrankungen befördern nd somit den BU-Fall begünstigen könnten, sagt Makler Frank Dietrich. Bild: privat

procontra: Was gilt jetzt, wenn Kunden an Corona erkranken (procontra berichtete)?

Dietrich: Erkrankt etwa ein Arbeitnehmer am Coronavirus, hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung für die ersten sechs Wochen. Wird er dagegen vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt, hat er für die ersten sechs Wochen der Quarantäne Anspruch auf Entschädigung in Höhe seines arbeitsvertraglichen Vergütungsanspruchs. Den muss der Arbeitgeber auszahlen, kann ihn sich aber vom Amt auf Antrag hin erstatten lassen (nach Paragraf 56 Absatz 5 Satz 2 Infektionsschutzgesetz).

procontra: In wie vielen Fällen könnte sich die Erkrankung auf BU-Versicherungen auswirken und warum?

Dietrich: Da sind unterschiedliche Leistungsauslöser denkbar. Ausgangsbeschränkungen und Home-Office werden familiäre Spannungen verursachen, befürchte ich. Anpassungsstörungen könnten in Depressionen übergehen sowie somatische Beschwerden auslösen. Zeitversetzt wäre dann mit Leistungsfällen zu rechnen, denn psychische Erkrankungen sind bekanntlich die Hauptursache, berufsunfähig zu werden.

Verhindert eine Rechtsverordnung, basierend auf einer Infektionsgefahr, dass der Kunde seinen Beruf zu mehr als 50 Prozent über eine Dauer von mindestens sechs Monaten ausüben kann, so scheint ein Leistungsfall gegeben zu sein - je nach Formulierung in den AVB. Der Versicherte muss dabei nicht einmal erkrankt sein. Hoffentlich wird dieser Zeitraum der Berufseinschränkungen nicht erreicht. Wahrscheinlicher ist der BU-Leistungsfall bei Schädigung der Lunge des Versicherten durch COVID-19 - je nach Berufsbild und Grad der Schädigung.

procontra: Wie reagieren die Versicherer in solchen Fällen?

Dietrich: Psychische Krankheitsbilder und damit verbundene Einschränkungen sind nicht so einfach nachweisbar. Eine geschädigte Lunge lässt sich leichter nachweisen. Einen Leistungsfall, der auf der Infektionsklausel gründete, hatte ich noch nicht. Vor etwa zwei Jahren sprach ich einen Versicherer auf die Klausel an. Einer Mandantin von mir, deren Immunsystem durch mehrfache Chemotherapien geschwächt war, wurde das Betreten ihrer Praxisräume verboten. Die Infektionsgefahr war viel zu hoch. Der Versicherer lenkte den Leistungsfall auf die Krebserkrankung und wich damit der Frage aus, zahlte aber.

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