Betriebsschließungsversicherung: Welche Wirkung hat die "bayerische Lösung"?

Martin Thaler Corona Versicherungen Top News

Sechs Versicherer unterstützen mittlerweile den erzielten Kompromiss. Verpflichtend ist dieser für betroffene Gastronomen nicht - sie stehen jetzt vor einer wichtigen Entscheidung.

In vielen Restaurants bleibt derzeit die Küche kalt, da sie aufgrund der Corona-Krise geschlossen bleiben müssen.

In vielen Restaurants bleibt derzeit die Küche kalt, da sie aufgrund der Corona-Krise geschlossen bleiben müssen. Bild: picture alliance

Der von der bayerischen Landesregierung ausverhandelte Kompromiss zwischen einigen Versicherern und Verbänden des Hotel- und Gaststättengewerbes stößt in der Branche auf ein vorsichtig positives Echo. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, erklärte BDVM-Geschäftsführer Dr. Hans-Georg Jenssen im Gespräch mit procontra: "Wir begrüßen, dass hier ein solidarisches Werk geschaffen wurde.“ Ein solches hatte Jenssen noch eine Woche zuvor in Form eines Solidaritätsfonds der Versicherungsindustrie ins Gespräch gebracht.  

Zustimmung gab es auch von Seiten des Vermittlerverbands AfW: „Der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW begrüßt das Bemühen einer lösungsorientierten Haltung der beteiligten Versicherer“, heißt es in einer Pressemitteilung.  

Der Kompromiss der beteiligten Parteien sieht wie folgt aus: Da davon ausgegangen wird, dass die betroffenen Gaststätten circa 70 Prozent ihrer finanziellen Ausfälle über Kurzarbeitergeld und Soforthilfen ausgeglichen bekommen, erklärten sich die Versicherer bereit, von den verbleibenden 30 Prozent zwischen zehn und 15 Prozent für die Dauer der vereinbarten Haftzeit (in der Regel 30 Tage) zu übernehmen.  

Gothaer stimmt Kompromiss zu

Bislang sind sechs Versicherer dem Kompromiss beigetreten: Nachdem am Wochenende die Allianz, die Versicherungskammer Bayern, die Zurich, die Nürnberger sowie die Haftpflichtkasse Darmstadt der Vereinbarung zugestimmt hatten, schloss sich am Montag die Gothaer an. Wie viele der anderen Versicherer will sie die verabredeten Regelungen bundesweit und für alle Branchen gelten lassen.  

Welche Tragweite dieser Kompromiss letztlich haben wird, bemisst sich auch an der Frage, ob weitere Versicherer sich zu der Vereinbarung bekennen werden. Denn um eine Brancheninitiative der Versicherungswirtschaft handelt es sich eben nicht, viele namhafte Versicherer sind derzeit noch nicht an Bord.  

Sollten diese sich weiter verweigern, drohe deren Kunden, in den „juristischen Häuserkampf“ gezogen zu werden, wie es Jenssen formuliert. Gemeint sind lange Verfahren, die – vorausgesetzt, der Fall geht bis vor den Bundesgerichtshof – sechs bis sieben Jahre dauern können. Mit einer schnellen Entschädigung ist somit auch im Fall eines juristischen Sieges für die Gastronomen nicht zu rechnen.

Seite 1: "Schritt in die richtige Richtung"
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