Betriebsschließung: Die Suche nach dem Ausweg

Martin Thaler Corona Versicherungen Top News

Der Ärger um die Betriebsschließungsversicherungen erreicht die Politik - sowohl auf Landes- wie auf Bundesebene wird nach Lösungen geschaut. Wollen die Versicherer den Imageschaden jedoch begrenzen, müssen sie schnell handeln.

No business as usual - das bekommen auch die Versicherer in der Corona-Krise zu spüren.

No business as usual - das bekommen auch die Versicherer in der Corona-Krise zu spüren. Bild: picture alliance

Es waren 15 Minuten kurz nach 20 Uhr abends im Juli 1984, die in die deutsche Geschichte als „Hagelsturm von München“ eingehen sollten. Hagelkörner in der Größe von Walnüssen bis Tennisbällen donnerten auf die bayerische Landeshauptstadt hernieder und hinterließen ein Bild der Zerstörung.

Der Versichererverband GDV summierte die entstandenen Schäden wie folgt: 70.000 Wohngebäude, 1000 Gewerbebetriebe, 150 Flugzeuge sowie über 200.000 Autos. 400 Menschen wurden zudem verletzt, drei Menschen starben vor Aufregung, wie der Spiegel notierte.  Die Münchener Hagelwalze war für die deutschen Versicherer das kostspieligste Ereignis bis dahin: Insgesamt 1,5 Milliarden Euro zahlten die Assekuranzen für Autos, die Knäckebroten glichen, zerstörte Fassaden und abgedeckte Dächer – auch, weil die Versicherer vielfach aus freien Stücken leisteten. 

Die Allianz informierte beispielsweise wenige Tage nach der Katastrophe in großen Zeitungsanzeigen: „Wir zahlen“. Unbürokratische Hilfe für alle, auch wenn die Versicherung vielfach wahrscheinlich nicht hätte zahlen müssen. Denn anders als heute waren Hagelschäden damals nur in Verbindung mit einem Sturm, sprich mindestens Windstärke 8, abgesichert. Das Wetteramt hatte diese Windstärke jedoch keineswegs in ganz München feststellen können, berichtete der Spiegel. Die Versicherer leisteten dennoch. Wohl auch, um etwas für ihren guten Ruf zu tun, befand die „Zeit“ unmittelbar nach dem Ereignis. 

Blick geht erneut nach München

36 Jahre später geht der Blick wieder nach München – diesmal jedoch unter anderen Voraussetzungen. Hier kam am Freitag der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) mit Vertretern der Versicherungswirtschaft zusammen. Grund hierfür ist ein Brandbrief von Frank-Ulrich John, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (DeHoGa) Bayern. In diesem beklagte er die Haltung vieler Versicherer, die eine Leistung aus von vielen Gastwirten und Hoteliers abgeschlossenen Betriebsschließungsversicherungen verweigern. Die Versicherer argumentieren unter anderem damit, dass ein landesweiter Erlass zur Schließung nicht ausreiche, um einen Schadensfall zu begründen. Andere verweisen darauf, dass das Corona-Virus als auslösender Faktor namentlich im Vertrag genannt werden müsse. 

Eine Haltung, die nicht nur unter Versicherungsmaklern auf Widerstand stößt, sondern bei vielen Versicherungsnehmern auch das negative Bild der Branche bestätigt. Wie dieses ausschaut, dürfte die Aussage eines bayerischen Gastronoms im Bayerischen Rundfunk verdeutlichen: „Die Versicherungen sind ein bisschen wie Banken. Bei Sonnenschein wird der Regenschirm verliehen und bei Regen soll er dann zurückgegeben werden.“ Auch BDVM-Chef Dr. Hans-Georg Jenssen hatte im procontra-Interview vor einem großem Imageschaden für die Versicherer gewarnt.  

Seite 1: "Bei Regen soll der Regenschirm zurückgegeben werden"
Seite 2: Die Politik schaltet sich ein

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare