Betriebsrente: Folgen der Kurzarbeit wegen Corona

Detlef Pohl Corona bAV Berater Top News

Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern jederzeit zur Betriebsrente Auskunft geben. Dies gilt in Zeiten von Kurzarbeit erst recht. Denn die Corona-Krise kann sich auch negativ auf die bAV auswirken. Ein Beispiel macht es deutlich.

Arbeitgeber müssen bei Kurzarbeit wegen der Corona-Krise auch über die Folgen für die bAV informieren.

Arbeitgeber müssen bei Kurzarbeit wegen der Corona-Krise auch über die Folgen für die bAV informieren. Bild: picture alliance

In Zusammenhang mit dem Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG), das 2018 in Kraft trat, war auch Paragraf 4a des Betriebsrentengesetzes (BetrAVG) neu formuliert worden. Er verschärft die Auskunftspflichten des Arbeitgebers im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Nun muss der Arbeitgeber oder Versorgungsträger dem Arbeitnehmer „auf dessen Verlangen“ mitteilen, wie es um die Anwartschaft bestellt ist (procontra berichtete).

Verständlich, in Textform und in angemessener Frist muss es geschehen. Letzteres gilt ganz besonders jetzt, wo viele Betriebe unter der Corona-Krise leiden und Mitarbeiter reihenweise ins Homeoffice oder in Kurzarbeit schicken müssen (procontra berichtete). Kurzarbeit kann mit Kurzarbeitergeld überbrückt werden, bedeutet aber Verlust: Die Agentur für Arbeit zahlt 60 Prozent (67 Prozent mit Kind) des bisherigen Nettoentgelts – maximal für 12 Monate. Auf diese Lohnersatzleistung werden keine Lohnsteuer und SV-Beiträge für den Arbeitnehmer fällig. Der Arbeitgeber führt jedoch Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ab (80 Prozent des Entgeltausfalls), damit die Lücke in der gesetzlichen Rente möglichst klein gehalten wird.

Andere Folgen für AG-bAV als bei Entgeltumwandlung

Die Stuttgarter Lebensversicherung rechnet an einem Beispiel die Folgen vor: Ein lediger Arbeitnehmer ohne Kind verdient 2.500 Euro brutto und wandelt davon 100 Euro Entgelt um (1.674 Euro netto). Durch Kurzarbeit sinkt seine Arbeitszeit auf 75 Prozent und sein Nettoeinkommen auf 1.332 Euro, was 342 Euro Netto-Verlust bedeutet. Davon 60 Prozent macht 205 Euro Kurzarbeitergeld. Für Arbeitnehmer können die finanziellen Einschnitte auch Auswirkungen auf die bAV haben.

  • Arbeitgeberfinanzierte bAV: Sie ist durch Kurzarbeitergeld in der Regel nicht betroffen. Auswirkungen gebe es nur dann, wenn die bAV vom Arbeitsentgelt abhängig ist: Sinkt das Entgelt, sinkt auch die Zahlung des Arbeitgebers für die bAV. Entscheidend sind in diesem Fall die jeweiligen kollektiven oder individuellen Versorgungszusagen, schreibt die Stuttgarter.
  • Entgeltumwandlung: Eine Weiterführung ist auch während der Kurzarbeit möglich. Wünscht der Arbeitnehmer einen reduzierten Umwandlungsbetrag, ist allerdings eine Änderung der Entgeltumwandlungsvereinbarung nötig. Ausnahme: Wenn das Entgelt auf null gesenkt wird, ist auch eine Entgeltumwandlung nicht mehr möglich – schließlich ist Kurzarbeitergeld kein Arbeitsentgelt, sondern eine Lohnersatzleistung. Dann kann der Vertrag für den Zeitraum der Kurzarbeit auch beitragsfrei gestellt werden.

Weniger Entgelt-Umwandlungs-bAV bei Kurzarbeit

Eine Entgeltumwandlung kann sich auf die Höhe von Kurzarbeitergeld auswirken. Die Stuttgarter greift dazu wieder in einem Beispiel auf den oben genannten Arbeitnehmer zurück, der 2.500 Euro brutto verdient (1.620 Euro netto). Durch Kurzarbeit sinkt seine Arbeitszeit auf 75 Prozent und sein Nettoeinkommen auf 1.290 Euro, was 330 Euro Netto-Verlust bedeutet. Davon 60 Prozent macht 198 Euro Kurzarbeitergeld, also hier sieben Euro weniger als ohne Entgeltumwandlung.

Seite 1: Warum Kurzarbeit bAV-Entgeltumwandlung tangiert
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