Auf diese 3 Risiken müssen die Versicherer eine Antwort finden

Anne Hünninghaus Digital Versicherungen

Das kommende Jahrzehnt hält für Versicherer einige Herausforderungen bereit, auf die die Unternehmen bislang nur unzureichend vorbereitet sind. Was jetzt zu tun ist, um sich rechtzeitig dafür in Position zu bringen, verrät eine aktuelle Analyse.

Die Zukunft hält einige Herausforderungen für die Branche bereit.

Die Zukunft hält einige Herausforderungen für die Branche bereit. Bild: Adobe Stock/trendobjects

Die Versicherungsbranche wird und muss sich in der nächsten Dekade massiv verändern. Um das abzusehen, braucht es keine Kristallkugel. Dennoch wirkt es aufgrund der langsamen Innovationsgeschwindigkeit als würden manche Unternehmen unliebsame Entwicklungen zurzeit noch verdrängen.

Drei Megatrends sind allerdings nicht mehr wegzureden und sollten dringend mehr Aufmerksamkeit erfahren. Das besagt eine Analyse der Unternehmensberatung Oliver Wyman, die die Versicherungswirtschaft beobachtet und daraus Prognosen zur "Versicherung 2030" abgeleitet hat.

1. Die demografische Entwicklung

Bis 2030 wird die Zahl der Menschen unter 60 Jahren in Deutschland um mehr als vier Millionen sinken – die klassische Kernzielgruppe der Versicherer schmilzt damit beträchtlich. Dafür steigt die Kundenzahl in der Altersgruppe der Über-60-Jährigen absehbar um 3,4 Millionen. „Nie zuvor ist innerhalb eines Jahrzehnts eine derart große Verschiebung um Millionen Nachfrager nach Versicherungs- und Altersvorsorgeprodukten erfolgt“, sagt Dietmar Kottmann, Partner bei Oliver Wyman und Co-Autor der Studie.

Das Problem: Auf die neuen Prioritäten und neuen Bedarfe sei die Versicherungswirtschaft bisher nicht ausreichend vorbereitet. Die Kundschaft wird im Durchschnitt immer älter, was neue Strategien in der Werbung von Neukunden und Konzepte für Leistungen bis ins hohe Alter erfordert.

Was ist zu tun?

Der Neukundenbestand schrumpft – und wird dadurch immer härter umkämpft werden. Auf die veränderten Bedürfnisse der Jüngeren einzugehen, ist damit das Gebot der Stunde. Und die suchen laut der Studie vor allem nach Produkten, die ein gewisses Maß an Bequemlichkeit – zum Beispiel über Steuermöglichkeiten via App – und einen individuellen Mehrwert. Auch bei der Beratung wird es mehr und mehr auf Transparenz ankommen. Erhöht wird der Druck auf die Anbieter und Makler durch verbesserte Vergleichsmöglichkeiten und die Online-Kompetenz der Jungen: Über das Internet werden Tarife bis hin zu feinsten Nuancen einander gegenübergestellt.

Um regelmäßig Spitzenplätze in viel beachteten Online-Rankings zu belegen, müssen Versicherungen bessere Dialogmöglichkeiten schaffen. Auch das Stichwort Flexibilität fällt immer häufiger. Mit Blick auf die älter werdende Versichertengeneration braucht es dem Wyman-Gutachten zufolge flexible Sparpläne und neue zielgruppenspezifische Produkte, zum Beispiel zu Themen wie „Wohnen im Alter“.

2. Konkurrenz aus dem Netz

Der Handel hat längst reagiert, wenn es um Online-Anbieter von Produkten geht. Während sich Branchenriese Amazon vom Händler zur Plattform entwickelte, sind andere Händler auf den Zug aufgesprungen, um ihre Produkte dort zu vertreiben und von dessen Macht zu profitieren.

Auch die Versicherungswirtschaft wird sich besser früher als später auf die Plattformökonomie einstellen müssen. Produkt- und Preisvergleiche für Kunden und Makler sind längst etabliert, Produktangebote über Drittanbieter-Plattformen könnten der nächste Schritt sein. Das geht auch aus der Studie hervor: Bis 2030 werden, so die Schätzung, Plattformen mehr als die Hälfte des Neugeschäfts im ungebundenen Vertrieb kontrollieren. Zurzeit liegt der Anteil noch bei unter 30 Prozent.

Die neue Konkurrenz besteht dabei nicht nur aus dezidierten Insurtechs, sondern kommt aus verschiedenen Richtungen: „Versicherungsunternehmen konkurrieren in der Plattformökonomie mit fremden Branchen: Immer leichter lassen sich Versicherungslösungen in andere Angebote integrieren oder von Anbietern außerhalb des Versicherungssektors separat über digitale Kanäle vertreiben“, heißt es in der Studie. Dadurch würden traditionelle Versicherungen aus einzelnen Produktfeldern gedrängt, besonders im Kfz-Bereich sei diese Gefahr groß, da hier bereits jetzt viele Exklusiv-Kooperationen von Herstellern und Plattformen bestünden.

Was ist zu tun?

Eine Plattform für alles – zum Thema Finanzen ist das die Vision, an der gerade einige innovative Banken arbeiten. Solche Financial-Home-Konzepte bündeln unter anderem Multibanking, mobile Bezahlsysteme und einen digitalen Versicherungsordner. In diesem Umfeld sollten sich auch Versicherer hervortun, lautet die Empfehlung der Studienautoren. Entweder bauen sie eine eigene Financial-Home-Plattform auf, auf der sie auch Banking anbieten, oder sie stellen einem Bankpartner eine digitale Versicherungsplattform zur Verfügung.

Seite 1: Demografie und Plattformökonomie
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