"Welche andere BU-Zielgruppe bietet den Versicherern solche Bedingungen?"

Berater Top News Martin Thaler

Taucher und Versicherer liegen nicht immer auf einer Wellenlänge. Gut, dass es Makler wie Timo Vierow gibt, der zwischen beiden Welten übersetzen kann. procontra gibt einen Einblick in eine kleine, aber feine Zielgruppe.

Hat sich auf Taucher spezialisiert: Versicherungsmakler Timo Vierow.

Hat sich auf Taucher spezialisiert: Versicherungsmakler Timo Vierow. Bild: Timo Vierow

procontra: Herr Vierow, die meisten Ihrer Kollegen spezialisieren sich – wenn überhaupt – auf bestimmte Berufsgruppen. Sie fokussieren sich auf ein Hobby. Warum?  

Timo Vierow: Ich bin jetzt seit 21 Jahren in der Versicherungsbranche tätig, seit sechs Jahren zähle ich mich auch zu den Tauchern. Mit der Zeit habe ich dann gemerkt, dass Tauchen und Versicherungen teilweise zusammenpassen wie Feuer und Wasser: Um die Taucher und ihre speziellen Probleme kümmerte sich bei den Versicherungen niemand. Aus dieser Situation ist dann die Idee entstanden, sich mit dem Fokus Tauchen selbstständig zu machen.  

procontra: Ist die Zielgruppe schlicht zu klein, um für die Versicherer interessant zu sein?  

Vierow: In Deutschland machen jedes Jahr rund 25. – bis 27.000 Menschen ihren Grundtauchschein. Zwar verfolgt nicht jeder das Hobby weiter, viele aber schon. Wie viele Taucher es insgesamt in Deutschland gibt, ist schwer zu sagen, da diese sich ja nicht registrieren müssen. Schätzungen gehen für den deutschsprachigen Raum, also inklusive Österreich und der Schweiz, aber von einer bis 1,25 Millionen Tauchern aus.  

procontra: Nehmen wir den einfachen Urlaubstaucher, der während seines Malediven-Urlaubs eine Runde tauchen möchte. Worauf sollte der achten?

Vierow: Wichtig ist auf jeden Fall ein Blick in die Reisekrankenversicherung: Sind die Kosten für Druckkammerbehandlungen im Versicherungsschutz enthalten und bis zu welcher Höhe? Eine Begrenzung auf 10.000 Euro ist zu kurz gegriffen, da es sich hier um eine sehr kostenintensive Behandlungsmethode handelt.  Bedeutsam ist auch, dass Bergungs-, Rettungs- und Suchkosten über die Unfallversicherung abgedeckt sind. Die Unfallversicherung sollte das Tauchen dabei explizit in ihren Bedingungen miteinschließen – denn der klassische „Tauchunfall“ ist nicht über den Unfallbegriff abgedeckt.

procontra: Neben dem Taucher selbst gibt es auch sein Equipment, das abgesichert werden muss.  

Vierow: Die entscheidende Frage ist: Wie versichere ich mein Equipment, sobald es die eigenen vier Wände verlässt. Der reine Urlaubstaucher, der seine Ausrüstung mit auf die Malediven nimmt, ist eventuell noch mit einer Reisegepäckversicherung gut beraten. Für Taucher, die aber auch in Deutschland ihrem Hobby nachgehen, reicht eine Reisegepäckversicherung nicht mehr aus. Dann geht es nämlich um die Frage, ob und wann es sich überhaupt um eine Reise handelt: Wie weit ist man vom Heimatort entfernt; wird am Tauchort übernachtet?

procontra: Warum ist das wichtig?  

Vierow: Reine Urlaubstaucher investieren vielleicht zwischen 3.000 und 5.000 Euro in ihre Ausrüstung. Bei anspruchsvollen fortgeschrittenen Tauchern sind aber auch Investitionen zwischen 25.000 und 30.000 Euro keine Seltenheit. Ich hatte auch bereits einen Kunden – Privatkunde, nicht gewerblich wohlgemerkt – der für seine Ausrüstung 55.000 Euro ausgegeben hat. Wir sprechen hier also von echten Vermögenswerten. Es ist wichtig für Taucher eine Allgefahrenversicherung gegen Verlust und Beschädigung zu haben, die 24 Stunden am Tag, weltweit greift. So ist zum Beispiel auch der einfache Diebstahl, Verlust, oder die falsche Handhabung unter Wasser mitversichert.

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