Run-off-Anbieter: Keine Nachteile für Versicherte

Anne Hünninghaus Unternehmen Versicherungen

Niedrige Stornoquoten

Positiv fallen hingegen die geringen Stornoquoten der Run-off-Anbieter auf. Diese liegt laut Studie (Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2018) mit 2,45 Prozent deutlich niedriger als bei den traditionellen Versicherern mit 3,13 Prozent. Ein Ergebnis, das jedoch nicht zwingend auf das vorbildhafte Verhalten der Unternehmen zurückzuführen sei, ordnete Wagner gleich ein: „Kunden wären dieser Tage verrückt, ihre alten Vier-Prozent-Verträge zu kündigen!“.

Ein Mysterium seien laut Wagner hingegen die hohen Verwaltungskosten der Run-off-Anbieter – schließlich betreiben diese keinerlei Vertrieb bzw. Neukundengeschäft. Eine Erklärung hierfür liefert die vorliegende Studie allerdings nicht.

Insgesamt scheint sich der emotionale Sturm der Entrüstung der vergangenen Jahre jedoch deutlich abgeflaut zu sein, wie die an die Studienpräsentation anschließende Diskussionsrunde verdeutlichte, Dr. Christian Thimann, CEO des Run-Off-Anbieters Athora (vormals Athene, verwaltet den Bestand von Delta Lloyd), betonte, dass man ein ganz normales Versicherungsunternehmen sei. Als Run-off-Plattform wolle man die Stornoquote so gering wie möglich halte und Beschwerden seitens der Kunden sowie der BaFin minimieren. „Allein schon deshalb ist es uns daran gelegen, unsere Kunden gut zu behandeln“, erklärte Thimann.

„Mustergültiges Verhalten“ der Anbieter

Solche Aussagen aus dem Mund des Vertreters einer Run-off-Plattform sind wenig überraschend. Doch auch unter Verbraucherschützern hat das Thema offenbar an Brisanz eingebüßt. „Ich blicke auf das Thema heute wesentlich entspannter als noch vor Jahren“, erklärte Lars Gatschke vom Verbraucherschutzdachverband vzbv.

Da sich die Run-off-Unternehmen bisher mustergültig verhalten hätten, bestehe derzeit auch kein akuter Handlungsbedarf von politischer Seite, fügte der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Brodesser hinzu. Er mahnte aufgrund des emotional sehr aufgeladenen Themas allerdings zu einer sensiblen und umfänglichen Kommunikation seitens der Versicherer.

Durch die entemotionalisierte Debatte könnte die Scheu weiterer Lebensversicherer sinken, ihre Bestände ebenfalls in den externen Run-off zu geben. Die Aussichten für die Branche durch die Niedrigzinsen sei jedenfalls düster, betonte Athora-Chef Thimann: „Ich weiß nicht, ob alle Beteiligte das Ausmaß des Dramas schon erkannt haben.“ Vor allem die Pensionskassen seien aufgrund ihres konservativen Geschäftsmodells bisher betroffen – 41 stehen derzeit unter verschärfter Aufsicht der BaFin. Doch auch die Versicherer liefen auf eine Wand zu, erklärte Thimann: „Die Situation der Lebensversicherer wird sich weiter zuspitzen.“

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