Nachhaltigkeit: Wechselbereitschaft unter Versicherungskunden hoch

Martin Thaler Berater

Vier Fünftel aller Deutschen fordern von ihrem Versicherer mehr Nachhaltigkeit ein. Kommt dieser dem Wunsch nicht nach, liebäugeln viele Kunden mit einem Wechsel. Allerdings nur zu bestimmten Voraussetzungen.

Das Thema Nachhaltigkeit ist für viele Versicherungskunden wichtig. Sie verlangen mehr Engagement von ihren Versicherern - wollen aber nicht mehr zahlen.

Das Thema Nachhaltigkeit ist für viele Versicherungskunden wichtig. Sie verlangen mehr Engagement von ihren Versicherern - wollen aber nicht mehr zahlen. Bild: picture alliance

Auch wenn das Thema Nachhaltigkeit derzeit aus den Schlagzeilen verschwunden ist – für viele Deutsche ist Nachhaltigkeit ein wesentlicher Faktor für ihre Kaufentscheidungen. Dies ergibt sich aus einer Umfrage, die das Kölner Beratungshaus „Heute & Morgen“ unter 1.000 Deutschen durchgeführt hat. Zwar stehen Versicherer für viele Deutsche beim Thema Nachhaltigkeit noch nicht so stark im Fokus wie andere Branchen, beispielsweise Energielieferanten oder die Lebensmittelindustrie. Dennoch wünschen sich 80 Prozent der Befragten mehr Engagement von ihren Versicherern.

Unter dem schwammigen Begriff der Nachhaltigkeit verstehen die Deutschen dabei überwiegend Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes. Soziale Aspekte, wie eine faire Bezahlung der Angestellten oder das Vorhandensein einer Corporate Social Responsibility werden hingegen seltener nachgefragt.

Für Versicherungen, aber auch Vermittler ist dies eine wichtige Erkenntnis. Schließlich geben vier Fünftel der Bevölkerung an, dass das Thema für sie eine hohe Bedeutung habe. Die Wahrscheinlichkeit eines Kundenstroms hin zu nachhaltigen Anbietern erscheint hoch: 47 Prozent der Befragten bezeichneten ihre Wechselbereitschaft als hoch – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass mit einem Wechsel keine höheren Kosten verbunden sind. Höhere Preise für eine nachhaltige Versicherung würden nur 7 Prozent akzeptieren.  

Mehr Nachhaltigkeit - ja! Höhere Kosten - nein!

„Die Aufpreisbereitschaft ist in der Regel gering, die Wechselbereitschaft bei vergleichbaren Kosten ist aber sehr hoch – insbesondere in der strategisch wichtigen Gruppe der jüngeren Generation“, fasste „Heute und Morgen“-Geschäftsführerin Dr. Michael Brocke das Umfrageergebnis zusammen.  

Treiber der Entwicklung sind vor allem junge Menschen unter 30 Jahren, die eher über eine höhere Bildung verfügen und weiblich sind. 34 Prozent der Bevölkerung rechnen sich diesem Segment der besonders Nachhaltigkeitsaffinen zu. Bei ihnen besteht eine besondere Wechselbereitschaft hin zu Unternehmen, die beim Thema Nachhaltigkeit zu überzeugen wissen.  

Der größte Teil der Bevölkerung (45 Prozent) wird von „Heute & Morgen“ jedoch dem Segment der Mitläufer zugerechnet – sie interessieren sich zwar für Nachhaltigkeit, wollen jedoch nur ungern selbst aktiv werden. „Überzeugen lassen sie sich von nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen insbesondere dann, wenn diese für sie auch einen unmittelbaren persönlichen Nutzen stiften“, halten die Analysten fest.  

Verhältnismäßig klein ist hingegen die Gruppe der sogenannten Skeptiker (21 Prozent) – sie begegnen dem Thema Nachhaltigkeit eher distanziert und skeptisch und sind nicht bereit, ihre Gewohnheiten zu ändern – wozu auch das eigene Kaufverhalten zu zählen ist. Diese Gruppe setzt sich vor allem aus Männern fortgeschrittenen Alters zusammen, viele von ihnen befinden sich schon in Rente.  

Kosmetische Aktionen schaffen Misstrauen

Die Nachhaltigkeits-Befürworter erwarten von den Versicherern dabei unter anderem die Absicherung von Nachhaltigkeitsrisiken sowie eine nachhaltige Kapitalanlage. Die entsprechenden Informationen sollten zudem transparent und nachvollziehbar kommuniziert werden. Allerdings sollten die Versicherer hierbei genau abwägen, was sie der Öffentlichkeit als nachhaltig verkaufen möchten. Rein kosmetische Aktivitäten oder von der Öffentlichkeit als selbstverständlich wahrgenommene Maßnahmen haben bei den umgarnten Zielgruppen eher den umgekehrten Effekt – sie schüren Misstrauen.  

Auch Vermittler setzen zunehmend auf das Thema Nachhaltigkeit. Einer Ebase-Umfrage zufolge gehen 80 Prozent der Vermittler davon aus, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten in den kommenden drei Jahren steigen wird. Auch diese Umfrage legt nahe, dass unter dem Oberbegriff Nachhaltigkeit vor allem klima- bzw. umweltorientierte Kriterien subsumiert werden.

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