Nachhaltigkeit: Vermittler glauben an Nachfrage

Martin Thaler Investmentfonds

Nachhaltigkeit gilt als das Thema der Stunde. Auch für Anleger nimmt Nachhaltigkeit mittlerweile eine immer höhere Bedeutung ein. Vermittler rechnen damit, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Einer Studie zufolge haben sich die jährlichen Investionen der Deutschen in nachhaltige Geldanlagen in nur 5 Jahren mehr als verhundertfacht.

Einer Studie zufolge haben sich die jährlichen Investionen der Deutschen in nachhaltige Geldanlagen in nur 5 Jahren mehr als verhundertfacht. Bild: Adobe Stock/Maridav

Nachhaltigkeit liegt im Trend: Nicht nur Bio-Supermärkte verzeichnen dabei eine wachsende Nachfrage, auch unter Anlegern erfreut sich das Thema wachsender Beliebtheit. Laut neuestem Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) investierten die Deutschen 2018 insgesamt 219,1 Milliarden Euro in dieses Segment. Zum Vergleich: 2014 waren es nur rund 1,7 Milliarden Euro. Hinzu kommen 2018 noch 1,5 Billionen in verantwortungsvollen Investments – hier gilt laut FNG ein weniger strenger Nachhaltigkeitsansatz.

„Die Bedeutung von nachhaltigen Investments bei Privatkunden hat in den letzten Jahren bereits stark zugelegt und der Trend scheint noch lange nicht am Ende“, kommentierte Rudolf Geyer, Sprecher der Ebase-Geschäftsführung.  

Auch für Berater gewinnt das Thema immer mehr an Bedeutung, wie eine Ebase-Umfrage unter den Vertriebspartner der Direktbank verdeutlicht. 80 Prozent der befragten Vermittler gehen dabei in den nächsten drei Jahren von einer steigenden Bedeutung des Themas aus, 15 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Bedeutung. Lediglich 4 Prozent der befragten Vermittler rechnet mit einer rückläufigen Relevanz.  

Vor einem Jahr fiel die Erwartungshaltung der Vermittler jedoch noch positiver aus. Damals rechneten 53 Prozent mit einer stark wachsenden Nachfrage. 2020 waren es „nur“ noch 38 Prozent. Der Anteil derjenigen Vermittler, die nur mit einer steigenden Nachfrage rechneten, blieb im Vergleich zum Vorjahr relativ konstant.

„Der im Vergleich zum Vorjahr gewachsene Anteil derer, die mit einer eher gleich bleibenden Bedeutung rechnen, ist sicherlich zu einem gewissen Teil auf die in den letzten Jahren bereits deutlich gestiegene Relevanz des Themas zurückzuführen. Man kann festhalten, dass das Thema Nachhaltigkeit sowohl bei den Anlegern als auch den Beratern endgültig angekommen ist“, kommentierte Geyer.  

Umweltaspekte sind gefragt

Besonders nachgefragt von Anlegern waren dabei im Februar Fonds, die dem Nachhaltigkeitskriterium „verstärkt umweltorientiert“ entsprachen. Auf dem zweiten Platz folgte das Kriterium „frei von Rüstung“. Auch in der Politik hat man das Thema Nachhaltigkeit auf dem Schirm: So arbeitet die Europäische Union derzeit an einem Aktionsplan, wie das Finanzsystem grüner und nachhaltiger gestaltet werden kann. Auswirkungen soll dieser Plan auch auf Vermittler haben: In Zukunft sollen diese Anleger verpflichtend im Beratungsprozess fragen, ob sie beim Kauf von Versicherungsanlageprodukten oder Fondsanteilen nachhaltig investieren möchten. Ein entsprechender Passus soll in die europäische Finanzmarktrichtlinie MiFID II integriert werden.  

Ein Vorhaben, das auch für den Vermittler Chancen bereithält. „Vermittler haben jetzt auch die Möglichkeit, Anlageprodukte über eine gute Story zu verkaufen“, erklärte AfW-Vorstandsmitglied Frank Rottenbacher im Gespräch mit procontra. Auch die Gewinnung neuer Zielgruppen, die sich vorher eher zurückhaltend mit dem Nachhaltigkeitsaspekt auseinandergesetzt habe, sei durch die Einbeziehung des Nachhaltigkeitsaspekts in die Beratung möglich, glaubt Rottenbacher.

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