Hundebiss: Nur 20 Prozent Schmerzensgeld trotz Gefährdungshaftung?

Florian Burghardt Berater Recht & Haftung

Eine Frau wollte zwei kämpfende Hunde trennen und wurde dabei von dem fremden Tier gebissen. Warum sie trotz greifender Gefährdungshaftung nur einen Bruchteil des geforderten Schmerzensgeldes erhielt, begründet ein Urteil des OLG Oldenburg.

Ein Hundebiss kann schmerzhaft sein – und teuer werden.

Ein Hundebiss kann schmerzhaft sein – und teuer werden. Bild: Adobe Stock/Grubärin

Normalerweise gilt bei Hundehaltern: Wer beißt, der zahlt. Bezogen ist das Beißen natürlich auf ihre Vierbeiner. Aber die finanziellen Folgen bleiben aufgrund der geltenden Gefährdungshaftung zunächst bei Frauchen und Herrchen hängen. Deshalb besteht auch in fast allen Bundesländern die gesetzliche Pflicht zum Abschluss einer Hundehaftpflicht-Versicherung für gefährliche Hunderassen. In Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin muss sogar für alle Hunde eine Police vorliegen.

Nach einem Schaden, beispielsweise nach einem Biss in die Hand, kann vor Gericht aber der tatsächliche Schuldanteil des beißenden Hundes ermittelt werden. So auch geschehen bei zwei Frauen, die mit ihren Hunden am Hundestrand des niedersächsischen Beachclubs Nethen unterwegs waren. Die Hunde gerieten in einen Kampf miteinander. Die eine Frau versuchte einzugreifen. Dabei wurde sie von dem fremden Hund in den linken Unterarm gebissen und trug mehrere blutige Verletzungen davon, die anschließend bei einer stationären Aufnahme im Krankenhaus genäht werden mussten.

80 Prozent Eigenverschulden

Dafür forderte sie von der anderen Frau per Klage ein Schmerzensgeld in Höhe von 4.000 Euro, welches wiederum auf den Versicherer abgewälzt werden könnte. Doch das Oldenburger Oberlandesgericht erkannte hier einen deutlich geringeren Anspruch bei der verletzten Hundehalterin (Az.: 5 U 114/19). Auch das Oldenburger Landgericht hatte zuvor so entschieden.

Zwar hielten beide Instanzen ein Schmerzensgeld in Höhe von 4.000 Euro dem Grad der Verletzungen nach für angemessen. Jedoch müsse sich die verletzte Hundehalterin ein eigenes Verschulden in Höhe von 80 Prozent zurechnen lassen. Somit stehe der Frau nur ein Schmerzensgeld in Höhe von 800 Euro zu.

Das OLG begründete die Entscheidung damit, dass die Frau in einem hohen Maße leichtfertig in eine brenzlige Auseinandersetzung zweier angriffslustiger Hunde ohne Schutzvorrichtung eingegriffen hatte. Zwar schilderte die Klägerin, dass sie lediglich ihrem eigenen Hund in den Nacken gegriffen hatte, um ihn zu entfernen. Sie habe dabei weder ihren eigenen Hund im Halsbereich berührt noch dem anderen Hund vor die Schnauze gegriffen. Später habe sie jedoch in einer WhatsApp-Nachricht an die Beklagte eingeräumt, man solle „in ein Hundegefecht nicht einschreiten".

Das Urteil ist rechtskräftig.

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