Grund ermahnt Lebensversicherer

Martin Thaler Versicherungen

Die Niedrigzinsphase zwingt die Versicherer zu zahlreichen Anpassungen. Ein großer Brocken ist allerdings noch anzupacken, mahnte Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund auf einer Fachveranstaltung in Berlin.

Dr. Frank Grund richtete deutliche Worte an die Lebensversicherer.

Dr. Frank Grund richtete deutliche Worte an die Lebensversicherer. Foto: procontra

Die andauernde Niedrigzinsphase fordert die Lebensversicherer immer stärker heraus. Abhilfe ist nicht in Sicht, so dass die Unternehmen gezwungen sind, sich auf die neuen Umstände einzustellen. „Lebensversicherer dürfen nicht auf steigende Zinsen warten. Sie müssen ihr Schicksal so gut es geht selbst in die Hand nehmen“, erklärte BaFin-Exekutivdirektor Dr. Frank Grund auf dem diesjährigen „Zukunftsmarkt Altersvorsorge“ in Berlin.  

Lobend erwähnte Grund dabei die Anpassungen, die manche Unternehmen bereits umgesetzt bzw. in Angriff genommen hätten. So haben zahlreiche Versicherer ihre Eigenmittel gestärkt, Verwaltungskosten reduziert sowie hybride Produkte mit flexibler Verzinsung eingeführt. Laut GDV machten Verträge mit modifizierten Garantien inzwischen rund 60 Prozent des Neugeschäfts aus. Auch die Überschussbeteiligungen wurden von zahlreichen Versicherern teils deutlich nach unten geschraubt.  

„Ich weiß, dass es schwere Arbeit ist, Steine umzudrehen“, würdigte Grund die Bemühungen der Unternehmen, fügte aber kritisch hinzu: „Es gibt es noch einen großen Brocken, an den Lebensversicherer und Pensionskassen heranmüssen.“ Gemeint ist der Höchstrechnungszins bzw. dessen unreflektierte Übernahme durch viele Versicherer. „Das mag ja zu Vertriebszwecken nachvollziehbar sein“, merkte Grund an, „aber ein Unternehmen, dass dauerhaft nicht in der Lage ist, die garantierten Zinsen am Kapitalmarkt zu erwirtschaften, spielt mit seiner langfristigen Existenz.“  

Es werde seitens der BaFin darum genau überprüft, ob die Unternehmen einen versprochenen Garantiezins von 0,9 Prozent auch erwirtschaften könne. „Das dürfte gar nicht so einfach sein, uns das nachzuweisen“, fügte Grund kritisch hinzu.  

Kaum Potenzial für PEPP erwartet

Auch zum Thema PEPP, dem Pan-European Personal Pension Product (auf Deutsch: Paneuropäisches Privates Pensionsprodukt), äußerte sich Grund. Die „Europarente“ soll ein zusätzliches, europaweit einheitliches Angebot zur Altersvorsorge sein. „Das Potential über PEPP signifikant mehr Menschen in Deutschland in die private Altersvorsorge einzubeziehen, halte ich für begrenzt“, erklärte Grund. So könnten hohe bürokratische Anforderungen im Zusammenhang mit dem angedachten Kostendeckel das Produkt für Lebensversicherer unattraktiv machen.

„Zudem ist der Markt für Altersvorsorgeprodukte in Deutschland weit entwickelt“, so Grund. Für die Versicherer sei die Notwendigkeit, ein weiteres Altersvorsorgeprodukt einzuführen, somit nicht zwingend gegeben. „Nach meiner Einschätzung werden die deutschen Lebensversicherer PEPP darum gar nicht oder nur in seltenen Fällen anbieten, sofern es für PEPP keine staatliche Förderung gibt“, schlussfolgerte Grund.

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