Geschlechterparität: Versicherungsbranche ist nach wie vor Männerdomäne

Anne Hünninghaus Versicherungen

2019 sind in der Branche mehr Frauen in Führungsetagen aufgestiegen als in den Jahren zuvor. Dennoch besteht im Vergleich zu anderen Sektoren Nachholbedarf.

Männer geben in der Finanz- und Versicherungsbranche nach wie vor den Ton an

Männer geben in der Finanz- und Versicherungsbranche nach wie vor den Ton an. Bild: Adobe Stock/alfa27

Der Internationale Frauentag am 8. März bietet in jedem Jahr Anlass, sich neue Entwicklungen in puncto Geschlechterparität genauer anzuschauen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat mit seinem Managerinnen-Barometer aktuelle Zahlen im Branchenvergleich vorgelegt.

Mit Blick auf das Topmanagement sind die realen Zahlen in der Versicherungs- und Bankenbranche ernüchternd: Nur in zwei der 60 größten Versicherungen Deutschlands steht eine Frau an der Spitze. Die 100 größten Banken kommen auf lediglich fünf weibliche Vorstandsvorsitzende.

Eines von zehn Vorstandsmitgliedern ist weiblich

Diese Zahlen sind weit von Geschlechtergerechtigkeit entfernt. Dennoch gibt es auch gute Nachrichten: Branchenübergreifend bietet sich ein vielversprechenderes Bild, insgesamt ist in deutschen Unternehmen der Frauenanteil in den Vorständen im vergangenen Jahr stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Auch bei den 100 größten Banken ging es langer Stagnation im vergangenen Jahr bergauf. Lag der Frauenanteil in den Vorständen 2018 noch bei 8,7 Prozent, konnte er sich 2019 auf immerhin 9,8 Prozent steigern. Die Versicherungsbranche verzeichnete einen Zugewinn von 1,4 Prozentpunkten und liegt nun mit 11 Prozent Frauenanteil in der Vorstandsetage erstmals im zweistelligen Prozentbereich.

Der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten von Versicherungsunternehmen liegt bei gut 22 Prozent, bei den Banken sind es knapp 23 Prozent.

„Männerdominierte Führungskultur“

Im Finanzsektor und bei den Versicherungen entwickelt sich die Lage mit Blick auf Geschlechterparität allerdings weniger dynamisch als in vielen anderen Branchen. Das betrifft insbesondere den Frauenanteil in Aufsichtsräten. „Gründe für die geringe Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen von Banken und Versicherungen dürften stereotype Zuschreibungen sowie die männerdominierte Führungskultur speziell im Finanzsektor sein“, erklärt Katharina Wrohlich, Leiterin in der Forschungsgruppe Gender Economics des DIW auf procontra-Nachfrage. „Empirische Studien für die USA und Deutschland haben gezeigt, dass im Finanzsektor – stärker als in anderen Sektoren – Personen, die extrem lange und unflexible Arbeitszeiten in Kauf nehmen, überproportional belohnt werden.“

Maklerinnen sind unterrepräsentiert

Nicht nur die Führungsetagen der Unternehmen, auch unter Maklern sind Männer in der Mehrheit. Darauf deutet zumindest die procontra-Umfrage „Maklers Lieblinge“ aus dem vergangenen Jahr hin. Unter den sich hier beteiligenden Vermittlern gab die überwiegende Mehrheit (84,9 Prozent) an, männlich zu sein. Nur 14,1 Prozent der Teilnehmer waren weiblich.

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