ESG: Welche Versicherer handeln nachhaltig und transparent?

Anne Hünninghaus Versicherungen Top News

Soziale und grüne Aspekte spielen bei deutschen Versicherern eine immer größere Rolle. Das zeigt eine aktuelle Analyse der CSR-Berichte. Wer sind die Umweltsieger und -verlierer?

Welche Versicherungen machen ihre ESG-Maßnahmen transparent?

Welche Versicherungen machen ihre ESG-Maßnahmen transparent? Bild: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

Die gute Nachricht zuerst: Das Thema Nachhaltigkeit wird vom Großteil der Versicherungsunternehmen in Deutschland inzwischen ernst genommen. Im Vergleich zum Vorjahr konnten 18 von 41 Versicherern 2018 ihre ESG-Maßnahmen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) verbessern. Der Wermutstropfen: Nach wie vor bleiben viele Nachhaltigkeitsberichte vage. Auch Versicherungsprodukte, die auf entsprechenden Werten basieren, sind bisher rar.

Zum Hintergrund: Seit 2018 ist jedes börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten dazu verpflichtet, sein Engagement im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) in einem jährlichen Bericht offenzulegen. Das Beratungs- und Analyseunternehmen Zielke Research Consult hat insgesamt 41 dieser CSR-Berichte deutscher Versicherer im Hinblick auf die Aspekte Soziales und Umwelt analysiert. Für den Bereich Governance liegt die Analyse der Berichte über die Solvabilität und Finanzlage (SFCR) zugrunde. Für jeden der drei Bereiche hat Zielke Punkte vergeben, aus denen sich die Gesamtwertung pro Unternehmen ergibt.

Verbessertes Umweltbewusstsein

Die Kriterien für den Umwelt-Bereich leiten sich aus den folgenden Fragen ab: Wie hoch ist der Ökostromanteil des Betriebs? Gibt es ein ESG-Board oder einen entsprechenden Zuständigen? Wie hoch der CO2-Ausstoß pro Mitarbeiter? Liegen konkrete Maßnahmen vor, um diesen zu reduzieren? Und: Inwiefern berücksichtigt die Kapitalanlagenpolitik ESG? Hier hat sich der Analyse von Dr. Carsten Zielke zufolge einiges getan: „Was Kapitalanlagen, ESG-Boards und Ökostromanteil betrifft, scheinen die Botschaften vonseiten der Politik angekommen.“

Für den Bereich Soziales wurde unter anderem der Frauenanteil im Management untersucht, außerdem das Engagement in sozialen Initiativen. Zudem relevant: Gibt es im Unternehmen Angebote zur Kinderbetreuung oder zur sportlichen Förderung von Mitarbeitern? Welche Maßnahmen werden zur Inklusion von körperlich beeinträchtigten Menschen getroffen? „Insbesondere Inklusion scheint für die Versicherer noch immer ein Fremdwort zu sein“, heißt es in der Analyse. Nur drei der 41 untersuchten Geschäftsberichte geben hierzu konkrete Zahlen an.

Die Gewinner und Verlierer des ESG-Rankings

Sieger des Gesamtrankings sind Allianz, Debeka und Helvetia. Die Allianz auf Platz 1 sticht dabei besonders in der transparenten Berichterstattung über konkrete ESG-Kriterien in der Kapitalanlagenpolitik hervor. Außerdem halte das Unternehmen ein überdurchschnittliches Angebot bei Kinderbetreuung und Familienhilfe bereit. Die Debeka, auf Platz zwei, konnte den Ökostromanteil von 80 auf 100 Prozent erhöhen.

Die größte Verbesserung im Vergleich zu 2017 verzeichnet die ERGO (Platz 12). In deren Bericht fänden sich erstmals detaillierte Informationen zu ESG-Board, konkrete Maßnahmen zum CO2-Ausstoß, dem Frauenanteil in Führungspositionen und sozialen Initiativen. Das Unternehmen beweise damit, so Studienautor Zielke, was innerhalb eines Jahres realisierbar sei.

Im Gesamtvergleich der CSR-Berichte am schlechtesten schneiden die VHV, der Volkswohl Bund und die Stuttgarter Lebensversicherung ab. „Es ist enttäuschend, dass diesen Gesellschaften offenbar nicht daran gelegen ist, ihre Nachhaltigkeitspolitik transparent darzulegen“, so Zielke. Besonders erstaunlich sei, dass diese Versicherer teils Produkte in diesem Bereich anböten, ohne ESG im eigenen Unternehmen zu propagieren: „Da stellt sich die Frage der Glaubwürdigkeit.“

Insgesamt lasse die Einhaltung von Standards teils zu wünschen übrig. Gerade bei den Berechnungen des CO2-Ausstoßes hielten sich mehrere Versicherer nicht an gültige Definitionen.

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