Erster Corona-Einsatz: So steuerte das Gothaer-Team durch die Krise

Anne Hünninghaus Versicherungen Top News Meistgeklickt Corona

Beim Autozulieferer Webasto kam es Mitte Januar zum ersten Corona-Fall Deutschlands. Die Gothaer Krankenversicherung koordinierte das betriebliche Gesundheitsmanagement. Wie lief der Einsatz ab?

Oliver Schoeller verrät Details zum Corona-Kriseneinsatz bei Webasto. Bild: Gothaer

Nachdem eine Mitarbeiterin aus China in der oberbayerischen Webasto-Firmenzentrale Mitte Januar weitere Kollegen infiziert hatte, wurden die rund 1.200 Beschäftigten ins Homeoffice geschickt. Die Personalabteilung, so berichtet das „Handelsblatt“, wurde mit Anfragen der besorgten Kollegen überfrachtet. Daraufhin suchte der Krisenstab des Webasto-Managements Unterstützung bei der Gothaer Krankenversicherung, um eine Anlaufstelle rund um die Uhr für die Mitarbeiter zu schaffen. Dazu gehörte ein neu geschaffenes Intranet-Portal, in dem Fragen zum Umgang mit dem Virus und der medizinischen Versorgung behandelt werden. Zudem organisierte das Krisenteam die Möglichkeit ärztlicher Beratung via Videotelefonie.

Neun Kollegen waren insgesamt infiziert, zudem weitere fünf Personen aus deren Umfeld. Dank der schnellen Reaktion des Unternehmens gelang es, eine weitere Ausbreitung auszubremsen. Am 12. Februar konnte der Betrieb dem „Handelsblatt“ zufolge bereits wieder anlaufen.

Oliver Schoeller, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Krankenversicherung, hat procontra Fragen zum Prozedere beantwortet.

procontra: Herr Schoeller, wie lief die Zusammenarbeit an, hat Webasto die Gothaer über einen Makler engagiert?

Oliver Schoeller: Nein, die Zusammenarbeit ist über einen direkten Kontakt zur Gothaer entstanden.

procontra: Hat die Gothaer die Koordination über eigene Mitarbeiter gesteuert?

Oliver Schoeller: Ja, sie wurde von einem aus zehn Personen bestehenden Team gesteuert.

procontra: Was genau musste organisiert werden und wie hoch sind die Kosten für eine solche Koordination?

Schoeller: Organisiert werden musste die Kommunikation mit den Mitarbeitern. Zentrale Kommunikations- und Interaktionselemente waren Informationen zum Virus, Maßnahmen bei Webasto und Zugang zu Fachstellen und Ärzten bei medizinischen Fragestellungen. Insbesondere die Koordination zwischen Personalabteilung und Experten bei der medizinischen Abstimmung von Antworten auf Mitarbeiterfragen ist in solchen Situationen herausfordernd. Die Personalabteilung von Webasto hat hier eine wichtige und kompetente Rolle gespielt. Die ökonomischen Aspekte sind vertraulich.

procontra: Wie lief die Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen?

Schoeller: Diese wurde durch Webasto gesteuert.

procontra: Welche Leistungen hat die Versicherung abgedeckt – auch Betriebsunterbrechung und Ertragsschaden?

Schoeller: In diesem Fall ging es ausschließlich um das betriebliche Gesundheitsmanagement.

procontra: Künftig möchte die Gothaer sich weiter in Richtung ganzheitlicher Gesundheitsdienstleister entwickeln. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Schoeller: Wir sehen die Zukunft in der Krankenversicherung verbunden mit unserer Fähigkeit, einen Beitrag zur Gesundheit unserer Kunden zu leisten. Wir unterstützen unsere Versicherten dabei, gesund zu bleiben oder, wenn nötig, ihnen den Zugang zur besten medizinischen Versorgung zu ermöglichen und sie auf ihrer Patientenreise nach ihren Anforderungen zu unterstützen. Das betrifft sowohl die private als auch die betriebliche Krankenversicherung.

procontra: Was haben Sie aus dem konkreten Krisenfall gelernt?

Schoeller: Es gab drei zentrale Erfolgsfaktoren:

1.  Es dreht sich viel um Geschwindigkeit. Je konsequenter und schneller agiert wird, umso eher lassen sich die Auswirkungen einer möglichen Corona-Krise beherrschbar halten. Webasto hat hier vorbildlich gehandelt.

2. Webasto hat sehr intensiv kommuniziert und sich damit auch das Engagement der Belegschaft erhalten. Unternehmen unterschätzen, dass einer der zentralen Hebel für erfolgreiches Krisenmanagement in der Frage liegt, ob unbetroffene, also nicht infizierte Mitarbeiter dem Unternehmen produktiv durch ein solches Szenario helfen.

3. Prozesse vorher durchdenken. Die Situation ist nun anders, Unternehmen können sich – im Gegensatz zu Webasto – vorbereiten und die Auswirkungen feiner steuern. Hier helfen wir unseren Kunden.

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