Emil verabschiedet sich vom Kfz-Geschäft

Martin Thaler Digital Versicherungen

Das Berliner Unternehmen ändert sein Geschäftsmodell: Statt als Assekuradeur will man nun als Software-Anbieter tätig sein. Die Kfz-Kunden sollen zur Gothaer wechseln - müssen dort aber auf ihren Telematiktarif verzichten.

Emil verabschiedet sich von seinem Geschäft als Assekuradeur.

Emil verabschiedet sich von seinem Geschäft als Assekuradeur. Foto: picture alliance

Wer für seine Kfz-Versicherung nach einem Telematik-Tarif sucht, dem steht nun ein Anbieter weniger zur Verfügung. Der Berliner Assekuradeur „Emil“ gab bekannt, sein Geschäftsmodell zu ändern. Statt wie bisher über seine Tochter „Emil Deutschland“ Kfz-Policen zu verkaufen, wolle man in Zukunft als Software-Anbieter für die Versicherungsindustrie tätig sein, teilte das Unternehmen mit.  

„Emil“ war bislang für seine Kfz-Telematik-Policen bekannt, die eine kilometergenaue Abrechnung versprachen – ein Angebot, mit dem vor allem Autobesitzer überzeugt werden sollten, die ihr Fahrzeug wenig benutzen. Diese Kunden sollen nun zur Gothaer wechseln, die bereits zuvor als Risikoträger fungierte. „Im Zuge der Transformation des Geschäftsmodells erhalten die Versicherungsnehmer von der Gothaer rechtzeitig ein Umstellungsangebot für ihre Kfz-Versicherung, das ab dem 1. Oktober greift“, teilt „Emil“ mit.  

Bei der Gothaer müssten die betroffenen Kunden jedoch in einen „traditionellen“ Tarif wechseln – einen Telematiktarif haben die Kölner nicht im Angebot. Wie viele Kunden betroffen sind, wollte „Emil“ auf procontra-Nachfrage nicht mitteilen.  

Keine weiteren Details gibt es zudem zu einem im Rahmen der Geschäftsmodelländerung erhaltenen siebenstelligen „Millionen-Investment“. Auf procontra-Nachfrage gab es weder Angaben zur genauen Höhe , noch zu den einzelnen Investoren. Hierzu heißt es lediglich: „Es handelt sich um renommierte nationale und europäische Finanzinvestoren und Family Offices mit einem langfristigen Anlagehorizont.“  

Versicherer beim Thema Telematik gespalten

Beim Thema Telematik zeigt sich die Versicherungsbranche indes gespalten. Während die beiden Marktführer HUK-Coburg und Allianz ihre Tarife mittlerweile für alle Altersgruppen geöffnet haben und durchaus auf einen ansehnlichen Vertragsbestand verweisen können (so hat die HUK-Coburg derzeit rund 225.000 Telematik-Verträge im Bestand), halten sich viele Versicherer mit konkreten Angeboten zurück.  

Dabei scheint ein Markt durchaus vorhanden: Einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Sirius Campus zufolge will jeder Zehnte eine Telematik-Police entweder erstmals oder erneut abschließen. Bei 40 Millionen Autobesitzern in Deutschland ergäbe das eine Zielgruppe von 4 Millionen.  

Makler berichteten gegenüber procontra indes von einer schwachen Nachfrage. Oftmals werde das Thema Telematik gar nicht erst in die Beratung aufgenommen, da sie diese aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Ansätze der einzelnen Versicherer unnötig verkomplizieren würde. Jedoch bestehe auch von Seiten der Kunden wenig bis gar kein Interesse an den speziellen Tarifen.

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