Dollar im Aufwind: Welche Chancen sich jetzt für Anleger bieten

Investmentfonds Gastkommentar von Yoram Lustig

Der Greenback zeigt sich schon seit geraumer Zeit von seiner starken Seite. Daraus ergeben sich für Investoren aus dem Euroraum interessante Opportunitäten. Allerdings fallen die positiven Effekte nicht in allen Bereichen gleich hoch aus.

Gastkommentar von Yoram Lustig, Head of Multi-Asset Solutions, EMEA im Bereich Multi Asset bei T. Rowe Price

Yoram Lustig, Head of Multi-Asset Solutions, EMEA im Bereich Multi Asset bei T. Rowe Price_Foto: T.Rowe Price

Seit knapp zwei Jahren hat der US-Dollar gegenüber dem Euro einen Aufwärtstrend vollzogen. Mussten Käufer der amerikanischen Währung im Februar 2018 gerade einmal rund 80 Cent je Greenback auf den Tisch legen, sind es aktuell über 90 Cent. Aber auch davon abgesehen kann ein gewisser Dollaranteil innerhalb des Depots keinesfalls schaden, lässt sich die Portfoliodiversifikation auf diese Weise doch deutlich verbessern.

Gewinner und Verlierer eines starken Dollars

Von einem starken Dollar bzw. einer Abschwächung anderer Währungen dürften in erster Linie exportorientierte Unternehmen aus der Eurozone sowie aus Großbritannien oder Japan profitieren. Zum einen verbessern sich ihre Exportchancen und zum anderen fallen die Einnahmen aus Übersee, umgerechnet in die jeweilige Landeswährung, entsprechend höher aus. Bei US-Firmen sind es in der Regel die kleinen und mittleren Gesellschaften, die weniger empfindlich auf einen steigenden Dollar reagieren, da sie in geringerem Maße exportorientiert sind als Großkonzerne.

Für Anlagen in Schwellenländern könnte ein weiter erstarkender Dollar andererseits Gegenwind bedeuten. So führt diese Entwicklung in aller Regel zu Kapitalabflüssen aus den jeweiligen Regionen und für entsprechende Hartwährungsanleihen, die meist in US-Dollar begeben werden, verteuert sich der Schuldendienst. Auch die Nachfrage nach Rohstoffen könnte unter einer anhaltend starken amerikanischen Währung leiden. Da Commodities auf dem Weltmarkt praktisch ausschließlich in Dollar notieren, führt ein steigender Greenback automatisch zu höheren Preisen und damit verbunden rückläufiger Nachfrage.

US-Treasuries mit zweifachem Diversifizierungseffekt

Gleich zwei Fliegen mit einer Klappe lassen sich durch den Erwerb US-amerikanischer Staatsanleihen schlagen. Dies gilt zumindest für Anleger aus dem Euroraum, die nach Möglichkeiten zur Diversifizierung ihres Aktienvermögens suchen und dabei bereit sind, etwas höhere Volatilitäten in Kauf zu nehmen. So neigt die Weltleitwährung von jeher dazu, sich bei zunehmenden Stresssituationen an den Märkten gut zu entwickeln. Und zum zweiten stellen US-Treasuries, die im Gegensatz zu ihren europäischen Pendants derzeit zumindest keine Negativrenditen abwerfen, traditionell eine gute Möglichkeit zur Abfederung des Aktienrisikos dar.

Dabei könnte ungeachtet der Faustregel, dass das Währungsrisiko konservativer ausländischer Vermögenswerte, wie etwa das von US-Staatsanleihen, eigentlich abgesichert werden sollte, derzeit gerade der Verzicht hierauf sinnvoll sein. Dies gilt umso mehr, weil die Absicherungskosten des US-Dollars gegenüber dem Euro mit etwa 2% jährlich recht hoch ausfallen.

Bei jeder Währungsanlage ist allerdings grundsätzlich zu berücksichtigen, dass Wechselkursprognosen insbesondere auf kurze Sicht sehr schwierig sind und entsprechende Bewegungen keineswegs allein von der Entwicklung der Fundamentaldaten abhängen. Anleger sollten das Währungsrisiko deshalb auch bei positiven Dollar-Erwartungen jederzeit im Blick behalten.

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