Coronavirus: „Versicherungsabschluss nicht mehr möglich“

Florian Burghardt Berater Versicherungen Meistgeklickt Corona

Corona überall: Sind vorsorglich abgesagte Veranstaltungen überhaupt versichert? Was passiert mit aktuellen Deckungsanfragen? Das und mehr verriet der auf Veranstaltungen spezialisierte Makler Matthias Glesel im Interview mit procontra.

Matthias Glesel, Geschäftsführer von CompactTeam Versicherungsmakler, ist auf die Absicherung von Veranstaltungen spezialisiert.

Matthias Glesel, Geschäftsführer von CompactTeam Versicherungsmakler, ist auf die Absicherung von Veranstaltungen spezialisiert. Bild: CompactTeam

procontra: Derzeit werden aus Vorsicht vor dem Coronavirus immer mehr Veranstaltungen abgesagt oder verschoben, darunter viele große Messen und andere Großveranstaltungen. Erst einmal unabhängig vom Grund: Welche Schäden entstehen dabei und für wen?

Matthias Glesel: Es entstehen große Schäden. Diese werden jetzt in Deutschland bereits auf circa eine Milliarde Euro geschätzt. Hotel- und Location-Stornierungen, fehlende Catering- und Messeumsätze, stornierte Aufträge bei Dienstleistern wie Messebau, Werbung und auch Besucherschwund. Die Schäden liegen bei den Messebetreibern, Vermietern, Hotellerie und Gastronomie. Dazu kommen auch Steuerausfälle und weitere fehlende kommunale Einkünfte.  

procontra: Welche dieser Schäden lassen sich durch Versicherungen auffangen und welche Policen braucht es dafür?

Glesel: Versichert werden die Kosten und optional auch die Erträge einer Messe oder Veranstaltung. Bezüglich des Coronavirus bedarf es einer Ausfallversicherung unter Wiedereinschluss des allgemeinen Ausschlusses von Pandemierisiken. Ich würde aber schätzen, dass nur etwa ein Prozent der Veranstaltungen dagegen versichert sind. Eine solche Deckung ist außerdem derzeit nicht mehr erhältlich. Angebote innerhalb einer Bindefrist sind noch policierbar, aber neue Angebote gibt es nicht. Wir hatten allein in dieser Woche über 1.000 diesbezügliche Anfragen, die wir ablehnen mussten.

Definitiv kein Versicherungsschutz

procontra: Führt die Absage oder Verschiebung einer Veranstaltung aus Vorsicht vor dem Coronavirus zu einem versicherten Schadenfall?

Glesel: Nein, definitiv nicht. Mir ist auch noch kein versicherter Fall in Deutschland bekannt, im Gegensatz zur Schweiz und Frankreich. Dort wurden bereits behördliche Verbote ausgesprochen, die zum Versicherungsfall führen.  

procontra: Haben Sie selbst Verträge beziehungsweise Kunden in Ihrem Bestand, bei denen sich ein „Corona-Schadenfall“ abzeichnen könnte? Falls ja, wie gestaltet es sich hier bislang? 

Glesel: Wir haben durchaus Verträge mit dem Einschluss des Pandemierisikos, aber noch keinen klaren Schadensfall. Allerdings liegen von unseren Kunden auch noch keine generellen Absagen vor. Betroffene Dienstleister haben wir dagegen reichlich, deren Umsätze aber von den jeweiligen Auftraggebern zu bezahlen sind. Wichtig: Bislang handelt es sich nicht um höhere Gewalt, die die Vertragsparteien von ihren Verträgen entbinden würde. Das ist vielen Playern nicht bewusst. Auch eine Verschiebung ist eine rein freiwillige Maßnahme, bei der die buchenden Kunden ihre Rückerstattungsrechte behalten.

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