Corona-Maßnahmenpaket: So kontrovers reagiert die Branche

Anne Hünninghaus Corona Berater Top News

Dr. Hans-Georg Jenssen, Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands deutscher Versicherungsmakler (BDVM):

"Je besser die Maßnahmen bei den Kunden greifen, desto besser stabilisiert sich die wirtschaftliche Lage der Makler."

procontra: Was halten Sie von den gestern beschlossenen Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung für Selbstständige und kleine Betriebe?

Dr. Hans-Georg Jenssen: Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung reicht zunächst einmal aus und wird seine Wirkung besonders bei den Solo-Selbstständigen entfalten, die Ihren Schwerpunkt im Verdienst bei Abschlussprovisionen haben. Für Versicherungsmakler im gewerblichen und industriellen Bereich tritt der Einnahmeverlust primär wohl erst im nächsten Jahr ein. Besonders die Erweiterungen beim Kurzarbeiterentgelt sind hilfreich.

procontra: Welche Hilfsangebote würden Sie sich im Sinne der Makler darüber hinaus wünschen?

Jenssen: Zunächst müssen wir die Wirksamkeit der Maßnahmen "erfahren". Maklern geht es dann gut, wenn es den Kunden gut geht. Je besser die Maßnahmen bei den Kunden greifen, also je weniger Kunden insolvent gehen, umso besser stabilisiert sich die wirtschaftliche Lage der Makler. Wünschenswert wäre noch ein klares Statement der Politik und auch der Versicherer, dass bei Betriebsunterbrechungen der Verweis auf das Infektionsschutzgesetz ein dynamischer Verweis ist, und deshalb unter diesen Policen vom Grundsatz her geleistet werden muss. Hier spielt auch der neue § 1 a VVG hinein, wonach die Schadensregulierung im besten Interesse des Versicherungsnehmers zu erfolgen hat. Wenn es also Zweifel bei der Auslegung der Allgemeinen Versicherungsbedingungen gäbe, wäre diese im besten Interesse des Versicherungsnehmers zu klären.

procontra: Teilen Sie die optimistische Einschätzung mancher Makler, die Krise sei nun eine Chance – beispielsweise, um sich digital besser aufzustellen?

Jenssen: Krisen sind immer auch Chancen. Es ist jedoch ein Irrglaube zu meinen, in Zukunft wird die ganze Versicherungsvermittlung nur noch mit Maschinen bzw. über das Internet vollzogen. Gerade bei Mangelentscheidungen – welcher Haushalt hat schon so viel Geld, um alle notwendigen Versicherungen einzudecken? – wird es auf persönliche Ansprache und Beratung ankommen. 

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